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Aktuelles

21.06.2017

„Eine leere Hülle – mehr nicht.“

bpa-Präsident zur heutigen Verabschiedung der Pflegeberufereform im Deutschen Bundestag

Zur heutigen zweiten und dritten Lesung des Pflegeberufereformgesetzes im Deutschen Bundestag erklärt bpa-Präsident Bernd Meurer:

„Heute ist kein guter Tag für die Altenpflege in Deutschland. Ohne eine erneute Anhörung wird eine grundlegende Reform der Pflegeberufe beschlossen. Stand heute ist die Altenpflege die große Verliererin. Denn es wird nicht, wie in dem Kompromiss von SPD und Union ursprünglich vorgesehen, einen Wettbewerb der Ausbildungssysteme geben. Die höheren Ausbildungszahlen in der Altenpflege gegenüber der Krankenpflege stellen offensichtlich eine Bedrohung für die Generalistik dar; deshalb werden die Ausbildungsgesetze der Alten- und Kinderkrankenpflege kurzerhand abgeschafft. Das hat zur Folge, dass die zukünftigen Auszubildenden in die generalistische Ausbildung gedrängt werden, während die Alten- und Krankenpflege zur Ausnahme degradiert werden. Pflegeeinrichtungen, die als Ausbildungsbetriebe fungieren, werden mit Pflichten überhäuft: So sollen sie beispielsweise Praxiseinsätze im Krankenhaus sicherstellen sowie die Verantwortung und Finanzierung für die Auszubildenden übernehmen, was de facto nicht ihre Aufgabe ist. Zudem sind Inhalte und Prüfungsanforderungen der Pflegeausbildungen weiterhin nicht bekannt. Der Bundestag hat eine leere Hülle ohne Inhalt beschlossen. Noch ist völlig unklar, ob es für die Altenpflege und die Altenpflegeschulen eine Zukunft gibt.

Als Präsident des größten Verbandes innerhalb der Altenpflege kann ich nur hoffen, dass es bei der Bundestagswahl im September zu einer Mehrheit kommt, die die berechtigten Interessen der Altenpflegerinnen und Altenpfleger endlich anerkennt und sie ernst nimmt. Bisher wird die Versorgung der pflegebedürftigen Bevölkerung ohne Not aufs Spiel gesetzt.  

Der verabschiedete Gesetzentwurf wird den Fachkräftemangel in der Altenpflege nicht beheben, sondern ihn enorm verschärfen. Die Zeche zahlen junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz mehr finden werden, Umschülerinnen und Umschüler, die sich eine neue Berufs- und Lebensperspektive aufbauen wollten und die Pflegebedürftigen, denen künftig weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen.“