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28.10.2022

In der Pflege in NRW fehlen tausende Assistenzkräfte

bpa fordert Aussetzung der starren Fachkraftquote und längere Übergangsphase für neues Personalbemessungssystem

In der nordrhein-westfälischen Pflege droht ein massiver Mangel an Assistenzkräften. Davor warnte der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. heute (28. Oktober 2022) bei einer Fachtagung in Neuss.

"Der Mangel an Pflegefachkräften wird in den nächsten Monaten verstärkt durch einen immensen Bedarf an Assistenzkräften", sagte der bpa-Landesvorsitzende Bernhard Rappenhöner. "Mit dem neu geschaffenen Personalbemessungssystem in der stationären Pflege wird die Zahl der Assistenzkräfte im nächsten Sommer deutlich erhöht, ohne dass diese Kräfte überhaupt in ausreichender Zahl auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind."

Die Landesregierung müsse schnelle Maßnahmen ergreifen, so Rappenhöner. "Kurzfristig muss die starre Fachkraftquote ausgesetzt werden, damit die Einrichtungen schon damit beginnen können, Assistenzkräfte zusätzlich anzuwerben und einzusetzen. Wir brauchen insgesamt eine mehrere Jahre dauernde Übergangsphase, um die guten Ansätze des Personalbemessungssystems überhaupt umsetzen zu können."

Auch der Bremer Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Heinz Rothgang, der das neue Personalsystem federführend entwickelt hat, signalisierte Sympathie für eine solche Übergangsregelung. Er sprach ebenso wie sein Bielefelder Kollege Prof. Dr. Klaus Wingenfeld auf der Tagung zur zukünftigen Personalausstattung der Pflegeeinrichtungen.

Die aktuellen Ausbildungskapazitäten in NRW reichten bei Weitem nicht dafür aus, die benötigten Kräfte auszubilden, warnte der bpa-Landesvorsitzende Rappenhöner. Das Land müsse Anreize schaffen, damit neue Schulplätze entstehen, gleichzeitig müsse die Anerkennung internationaler Pflegekräfte beschleunigt und der niedrigschwellige Zugang für möglichst viele Menschen in die Pflege offengehalten werden. "Wenn das Land strikt auf einer Erfüllung der neuen Personalvorgaben zum Starttermin im Sommer 2023 besteht, entsteht eine große Versorgungslücke. Personalschlüssel allein führen nicht zu mehr Pflegekräften, das haben vorangegangene Stellenprogramme gezeigt."