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19.01.2022

Studie: Wenn Pflegekräfte fehlen, stockt es auch in anderen Wirtschaftszweigen

bpa fordert strukturierte Kompetenzerhebung, um geeignete Erwerbslose für die Altenpflege zu qualifizieren

Ein weiterer Personalmangel in der Altenpflege wird die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Davor warnt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) angesichts aktueller Forschungsergebnisse.

Eine jetzt vorgelegte Studie der Prognos AG im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. warnt vor einem weiter steigenden Personalbedarf in der Altenpflege und dessen Auswirkungen. Bis zum Jahr 2035 sei in den nichtmedizinischen Gesundheitsberufen in Bayern von einem Arbeitskräfteengpass von rund 15.000 Erwerbstätigen auszugehen. Gelinge es nicht, die potenziellen Engpässe in der Altenpflege abzufedern, könne dies mit erheblichen gesellschaftlichen Folgen verbunden sein, erklären die Wissenschaftler.

„Wo professionelle Pflege aufgrund des steigenden Bedarfes und des fehlenden Personals nicht sichergestellt werden kann, müssen Familienangehörige einspringen, die dann am eigenen Arbeitsplatz fehlen“, sagt der bayerische bpa-Landesvorsitzende Kai A. Kasri. „Die bayerischen Pflegeunternehmen sind in der Lage, deutlich mehr auszubilden, um diesen Bedarf zu decken. Dafür brauchen wir aber geeignete Schulstrukturen und eine strukturierte Kompetenzerhebung, um auch Erwerbslose für die Altenpflege zu qualifizieren. Nicht jeder kann pflegen. Aber wenn wir genauer hinschauen, können sicher sehr viel mehr Menschen zu Pflegekräften qualifiziert werden, als dies bisher der Fall ist.“

Eine Untersuchung des WifOR-Instituts habe kürzlich belegt, dass Umsteiger aus einigen anderen Berufen bereits einzelne wichtige Kompetenzen für die Arbeit in der Altenpflege mitbringen, betont der Leiter der bpa-Landesgeschäftsstelle München, Joachim Görtz. „Der Freistaat Bayern muss jetzt ein System aufbauen, um bei Erwerbslosen aus Krisenbranchen schon vorhandene Fähigkeiten für einen Umstieg in den Altenpflegeberuf zu identifizieren. Mit Umschulungen und Weiterqualifizierungen kann neben der Ausbildung und der Zuwanderung ein Teil des Kräftebedarfes in der Altenpflege gedeckt werden.“