ANSPRUCH PFLEGEN

Aktuelles

05.07.2022

„Die berufsdemografische Entwicklung wird in den kommenden fünf Jahren zu einer Verknappung führen“

Monitoring der Pflege – Von Herausforderungen und Erkenntnissen

Von Prof. Dr. Michael Isfort, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP), Köln



Prof. Dr. Michael Isfort
Dt. Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP)
Hülchrather Straße 15, 50670 Köln


Obwohl die Diskussion um den Fachkräftemangel derzeit die Pflegepolitik bestimmt, fehlen sektorenübergreifende Informationen zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung, die die wichtigen regionale Besonderheiten und Entwicklungen berücksichtigen. Nur mit solchen Daten lassen sich vor Ort planerisch und auch strategisch die richtigen Weichen stellen. Das DIP hat deshalb im Rahmen von unterschiedlichen Projekten Daten auf der Ebene kleinräumiger Analysen (Landkreise und kreisfreie Städte) erfasst und u.a. in der zeitlichen Entwicklung betrachtet. Sie wurden ergänzt durch Sonderabfragen bei den jeweiligen Statistik-Services der Bundeagentur für Arbeit, bei Landesämtern und einzelnen Behörden oder Ministerien sowie durch Befragungen der Einrichtungen.

Exemplarische Analysen

Nachfolgend werden exemplarische Ergebnisse vorgestellt, wie sie durch das DIP für die großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und aktuell auch in Baden-Württemberg vorgenommen werden. Ein Beispiel für die Kombinatorik von Daten ist die Zusammenführung der Standortanalyse der stationären Pflegeeinrichtungen (mit Plätzen der Versorgung) und die Übersicht der erwartbaren demografischen Entwicklung in unterschiedlichen Regionen.
Das nachfolgende Beispiel aus Nordrhein-Westfalen zeigt dabei auf, dass eine sehr hohe Dichte der stationären Pflegeinrichtungen insgesamt zu verzeichnen ist. Die Punktmarkierungen zeigen dabei die Standorte der stationären Einrichtungen und die Punktgröße die Anzahl der in den Einrichtungen zur Verfügung stehenden Platzkapazitäten auf. Detailanalysen können dabei vorgenommen werden, z. B. die Messung der Erreichbarkeit bzw. die Wegstrecken, die zwischen Einrichtungen liegen. So ergeben sich Hinweise darauf, in welchen Regionen für die Bevölkerung keine oder eine nur geringe „Auswahl“ bzw. Ausweichmöglichkeit bezogen auf eine wohnortnahe Versorgung besteht. Werden die Daten der Standortanalysen mit den Daten der demografischen Entwicklung in Verbindung gebracht, so ergeben sich hier weiterführende analytische Perspektiven.
Die abgestuften Blautöne zeigen auf, in welchem Landkreis bzw. in welcher kreisfreien Stadt mit einem hohen oder niedrigen Zuwachs an älterer Bevölkerung (ab 75 Jahre) bis 2040 zu rechnen ist. Dazu werden demografische Daten aus der Bevölkerungsvorausberechnung verwendet. Je intensiver die Einfärbung, desto höher ist hier die zu erwartende prozentuale Zunahme der älteren Bevölkerung im kommunalen Raum.
 
Für Nordrhein-Westfalen zeigen sich dabei Regionen (insbesondere im Ruhrgebiet und in Ballungszentren wie Köln, Münster, Achen, Bonn, Dortmund), in denen eine hohe Dichte der stationären Versorgung existiert- zugleich sind hier (insbesondere in den Städten des Ruhrgebietes) eher niedrige altersbezogene Entwicklungen zu erwarten. In Duisburg beispielsweise wird mit einem Zuwachs von 20,5 Prozent zwischen 2020 und 2040 gerechnet. Numerisch entspricht dies einem erwartbaren Anstieg an zusätzlich rund 11.000 Personen in der Altersgruppe.  Aktuell stehen in Duisburg selbst 5.280 Plätze der vollstationärer Dauerpflege zur Verfügung. Der Ballungsraum ist sehr engmaschig erschlossen und in den benachbarten Städten im nahen Umfeld bestehen ebenso Kapazitäten, sodass eine wohnortnahe Betreuung erwartbar erscheint. In Coesfeld im Münsterland hingegen errechnet sich eine altersdemografische Zunahme in der Gruppe der Ü75-Jähringen von rund 72 Prozent. Das entspricht einer erwartbaren Zunahme an rund 16.500 Menschen in der Altersklasse. Hier stehen gegenwärtig 2.400 Plätze der vollstationären Dauerpflege zur Verfügung. Die Herausforderungen, die sich aufgrund der Unterschiedlichkeit der Daten erwarten lassen, werden also zu regional sehr heterogenen Problemlagen in der Versorgungssicherung führen.
Für eine Nutzung von Ergebnissen in der Diskussion vor Ort sind Daten aus der landesweiten Übersicht in Teilen aufgrund der regionalen Distanz zu anderen Landesteilen weniger bedeutsam. In den Projekten zum Monitoring werden daher auf Regionalkonferenzen auf der Ebene der Regierungsbezirke kleinräumige Analysen mit einer hohen regionalen Bedeutung durchgeführt und mit Akteur*innen aus der Pflegebildung, Trägern, Einrichtungen der Versorgung und aus der Kommunalpolitik diskutiert. In Bayern erfolgten dazu bspw. Im vergangenen Jahr insgesamt acht Konferenzen (für sieben Regierungsbezirke und den Großraum München). Auf den Konferenzen wurden dazu auch regionale Kreisprofile der Langzeitpflege vorgestellt, die vom Kooperationspartner, der AGP Sozialforschung, unter der Leitung von Thomas Klie entwickelt wurden.
Am Beispiel des Regierungsbezirks Oberbayern wird eine regionale Analyse exemplarisch verdeutlicht. Die Grafik zeigt die jeweilige Ausbildungsaktivität in den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten für das Schuljahr 2019. Dazu werden die Schüler*innenkennzahlen aus der Schulstatistik (neu aufgenommene Schüler*innen im ersten Ausbildungsjahr) in Relation zur Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Berufen gesetzt. Ermittelt wird so die Unterschiedlichkeit der regionalen Ausbildungsstärke. Sie ermöglicht eine Aussage darüber, wie das Verhältnis der Nachwuchsarbeit zum Arbeitsmarkt örtlich begrenzt besteht. Die Heterogenität der Ergebnisse verweist dabei auf die unterschiedlichen Bedingungen und Qualifizierungsmöglichkeiten bei Pflegebildungseinrichtungen und Trägern der praktischen Ausbildung. Aus der Analyse lässt sich z.B. ableiten, dass in München, wo eine hohe Dichte aus Ausbildungsbetrieben und Schulstätten besteht, eine in Relation niedrigere Ausbildungsaktivität in der Gesundheits- und Krankenpflege zu verzeichnen ist als beispielsweise in Ingolstadt. In Berchtesgaden ist eine im Vergleich zu anderen Landkreisen und kreisfreien Städten niedrigere Qualifizierungsquote in der Altenpflege zu verzeichnen. Ja nach Ausprägung der Qualifizierungsquote neuen Personals besteht demnach regional eine unterschiedliche Abhängigkeit bezogen auf Einpendler*innen aus benachbarten Kreisregionen oder der Notwendigkeit, Pflegende durch Zuzug in die Region zu gewinnen.

Aus den Befragungen der Einrichtungen ergeben sich für die Analyse zentrale Hinweise der Bedeutung der regionalen Ausbildung. So gaben die befragten ambulanten und teil-/vollstationären Einrichtungen in Bayern an, dass sie ihr Personal überwiegend aus einem Umkreis von 15 Kilometern gewinnen können. Auch bei den Krankenhäusern wird dieser Umkreis mit rund 20 Kilometern eingeschätzt. Die generelle Aussage, dass sowohl Pflegende als auch Schüler*innen die Grenze von rund 20 Kilometern bezogen auf die Erwerbstätigkeit nicht überschreiten, wird durch die analogen Ergebnisse in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gestützt. Auch eine Befragung von Schüler*innen, die in den Beruf einmünden (Nordrhein-Westfalen) weist dies als eine „natürliche Grenze“ der Personalgewinnung aus. Pflegende sind demnach überwiegend „ortstreu“, wie es korrespondierend in den Pendler*innenanalysen identifiziert werden konnte.
Aktuelle Kennzahlen der Altersklassen der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pflegenden (Stand Juni 2021) weisen für Bayern dabei auf die nachfolgenden Bedingungen hin: Insgesamt waren in Bayern 121.208 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der qualifizierten Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege sowie 42.579 qualifizierte in der Altenpflege gemeldet. Dabei beträgt der Anteil der Pflegenden über 50-Jährigen in der Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege 32,5 Prozent und in der Altenpflege 36,7 Prozent. In den kommenden drei Jahren sind in Bayern mit ca. 4.440 Altenpflegenden und rund 10.400 Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflegenden zu rechnen, die aus dem aktiven Erwerbsleben ausscheiden werden. Diese müssen qualifiziert werden, um alleinig den Ersatzbedarf an Personal zu kompensieren. Ein weiterer Strukturaufbau sowie eine Leistungsausweitung oder eine spürbare Verbesserung der personellen Ausstattung in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern können jedoch nur erfolgen, wenn beständig mehr junge Pflegende für den Beruf gewonnen werden können als ältere Beschäftigte aussteigen. Für die Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege weisen jedoch die Ausbildungszahlen der kommenden drei Jahre in Bayern darauf hin, dass im optimalen Fall lediglich der Bestand gesichert werden kann. Die berufsdemografische Entwicklung der Altersklassen der aktuell 50-60-Jährigen hingegen kann mit den bestehenden Ausbildungskapazitäten nicht kompensiert werden. Daher ist mittelfristig (spätestens am 2025) mit einer jährlich zunehmenden Personalverknappung zu rechnen.
Die Einzeldatenbestände sind hilfreich, um Detailfragen und Bewertungen vornehmen zu können. Für einen Überblick und eine regionale Differenzierung hinsichtlich der Versorgungssicherheit der Bevölkerung (in Bezug auf qualifizierte Pflegende) müssen diese Daten jedoch verdichtet werden. Dazu wurde ein Index entwickelt, der im Wesentlichen drei Perspektiven berücksichtigt:
•    Die erwartbare demografische Entwicklung der Bevölkerung als Einschätzung starker oder moderater Zunahme der Pflegebedürftigkeit
•    Die aktuelle Kapazität von qualifizierten Pflegenden bezogen auf die regionale Versorgung
•    Die Ausbildungsaktivität in einer Region als Perspektive auf zunehmende Bedarfe reagieren zu können und Ressourcen bereitzustellen
Diese drei Perspektiven beinhalten unterschiedliche Einzeldaten, die in Relationen zueinander gesetzt werden und in Form eines Indexwertes verdichtet werden. Damit entsteht die Möglichkeit, regionale Entwicklungen miteinander zu vergleichen und zu identifizieren, wo räumlich betrachtet gegenüber anderen Regionen höhere Handlungsbedarfe erwartbar erscheinen. Am Beispiel von Bayern soll der regionale Index verdeutlicht werden. Analog erfolgten auch Entwicklungen für Niedersachsen sowie für Nordrhein-Westfalen, wobei die Indexwerte untereinander nicht vergleichbar sind, sondern jeweils für die Regionalvergleiche in den Bundeländern stehen. Für Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurde der jeweilige Index auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte gebildet. In Bayern besteht mit den Planungsregionen eine Raumordnung, die über einzelne Kreise hinausgeht aber unterhalb der großen Regierungsbezirke besteht. Damit besteht die Möglichkeit, größere Sozialräume zusammenfassend zu betrachten. Der Indexwert erlaubt es, die Unterschiede zu visualisieren und die Herausforderungen in den Regionen zusammenfassend zu analysieren und mit kommunalen Akteur*innen zu besprechen und Einschätzungen vorzunehmen, wie sie die Situation vor Ort beurteilen. Ein „Normwert“, also die Frage, wie hoch der Wert sein muss, um von einer guten und stabilen Situation auszugehen, besteht nicht. Der Mittelwert in Bayern liegt bei 31,2. Ingolstadt bildet damit die Planungsregion, die eine Form der Referenz bildet. In Oberfranken-Ost liegt mit 26,5 der niedrigste Wert vor.  Ein niedriger Wert weist auf eine im Verhältnis zu anderen Regionen günstigere Ausgangslage hin. In insgesamt sechs von 18 Planungsregionen in Bayern besteht ein über dem Mittelwert liegender Index. Die Region München weist dabei auf eine besondere Problemlage hin. Hier sind, bezogen auf die bereits bestehende Versorgung, hohe regionale Personalkapazitäten gebunden. Trotz der zahlreichen Ausbildungsstätten und den vorhandenen Pflegeschulen fällt die Ausbildungsaktivität im Vergleich zu anderen Regionen niedriger aus. Mit knapp 20.000 Personen über 75 Jahre, die bis 2030 erwartet werden, liegt in der Region ein substanziell hohes Potenzial zukünftiger Hilfebedarfe vor. In Oberfranken- Ost werden demgegenüber lediglich rund 2.200 Personen zusätzlich in dieser Altersgruppe erwartet und die Ausbildungsaktivität ist gegenüber der Planungsregion München deutlich höher.  
 
Schlüsse und Handlungsanforderungen

Die Sichtung, Analyse und Entwicklung von handlungsleitenden Kennzahlen zur Einschätzung der regionalen Personalsituation und Versorgungssituation ist von herausgehobener Bedeutung. Die Entwicklungen dazu sind nicht als abgeschlossen zu betrachten und die Identifizierung von Datenbeständen, die unter dem Fokus der pflegerischen Versorgung nutzbar gemacht werden können, ist es ebenso wenig. Beispielsweise wäre es hilfreich, wenn Daten aus den Fondsverwaltungen der Pflegeausbildung zugänglich gemacht werden können, um die tatsächlichen und aktuellen Kennzahlen von Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben betrachten zu können. Die Pflegestatistik liefert mit der zeitlichen Verzögerung zwischen Erfassung und Darlegung von rund 15 Monaten oftmals nur die Möglichkeit einer retrospektiven Betrachtung.  Um dies zu realisieren, sind rechtliche und insbesondere datenschutzrechtliche Bedingungen zu klären. Darüber hinaus können in einzelnen Bundesländern (z.B. in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz) Registrierungsdaten der Pflegenden der Pflegekammern analytisch nutzbar gemacht werden, um detailliertere Informationen zum Alter, zur Qualifikation, zum Tätigkeitsfeld etc. zu gewinnen. Die vorliegenden Daten zur Altersverteilung bei der Bundesagentur für Arbeit erlauben keine Trennung der Sektoren oder Zugehörigkeiten zur direkten oder indirekten Versorgung.
Notwendig erscheint auch die kritische Betrachtung, Validierung und methodische Weiterentwicklung des an dieser Stelle eingeführten Index. Geprüft werden muss, ob die Werte den regionalen Realitäten entsprechen, wie sie in Bewertungen einfließen, ob weitere Kennzahlen relevant erscheinen und auf welcher Ebene eine Aggregierung von Daten sinnvoll erscheint, um die Aussagen zu stabilisieren. Ebenso ist wünschenswert die Daten dahingehend zu prüfen, ob sich Normierungen stabilisieren lassen, um regionsspezifische Risiken klar zu bewerten. Dazu bedarf es weiterer konzeptioneller und methodischer Entwicklungen, für die Ressourcen benötigt werden.
Bezogen auf einzelne Ergebnisse lässt sich darlegen, dass eine strukturierte Befragung von Einrichtungen ebenso bedeutsam erscheint, wie die Analyse bestehender Grunddaten. Der regionale Raum zur Personalgewinnung konnte nur durch die aktive Teilnahme der Einrichtungen selbst stabiler erfasst werden. Die Ausweitung der Teilnahmebereitschaft ist daher ein klares Ziel, um auch die Einschätzungsfragen regional differenziert bewerten zu können. Hier sind Aufklärungen bezogen des Nutzens notwendig und Trägerorganisationen können dies unterstützen, indem sie ihre Mitgliedseinrichtungen sensibilisieren. Für Verbände zeigen sich dabei auch an anderer Stelle bedeutende Ergebnisse, die zu einer Versachlichung der Diskussionen um die Pflege und Pflegeentwicklung beitragen können. So gaben beispielsweise 83 Prozent der Versorgungseinrichtungen in der bayerischen Befragung an, dass sie zur Fachkräftesicherung vor Ort eine Ausweitung von Teilzeitstellen in höhergradige Beschäftigung oder Vollzeitstellen bereits vornehmen. Damit kann der „Vorwurf“ an Einrichtungen, dass sie lediglich die Teilzeitstellen in Vollzeitstellen umwandeln müssten, um den Fachkräftemangel zu beheben, substanziell entkräftet werden. Dies ist längst geschehen und der Fachkräftemangel kann dadurch nicht weiter substanziell begrenzt werden.
Zentral und für die Entwicklung der pflegerischen Versorgung bedeutsam ist die Erkenntnis, dass die berufsdemografische Entwicklung einen deutlichen Vorrang vor der bevölkerungsdemografischen Entwicklung hat. Sie wird die Kapazitäten bzw. die Begrenzung der Versorgungsmöglichkeiten in den kommenden Jahren stark beeinflussen. Trotz steigender Ausbildungszahlen und vermeintlich „positiver Meldungen“ wird die berufsdemografische Entwicklung in den kommenden fünf Jahren zu einer Verknappung führen. Maßnahmen, die politisch auf eine substanzielle Verbesserung der Personalausstattung in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern abzielen, werden bezogen auf die Ausstattung mit fachqualifiziertem Personal nicht greifen können. Der Fachkräfteengpass wird den vorliegenden Analysen zufolge nicht nur weiter bestehen, er wird deutlich zunehmen und zu einem Abbau an pflegerischer Versorgungskapazität führen.
Bezogen auf eine generelle Notwendigkeit einer Berichterstattung zur Pflege, die über die sporadische Bereitstellung grundstatistischer Daten hinausreicht, zeigen die Beispiele auf, wie zentral analytische Vorgehensweisen sind, um planerische und strategische Entwicklungen zielgerichtet beurteilen zu können. Nur auf der Basis systematischer Ergebnisse können zielgerichtet Projekte initiiert werden, kann die Politik notwendige Sozialraumentwicklungen anstoßen und (be)fördern oder können die regionalen Akteur*innen in Verbünden miteinander die regionale Versorgungssicherung diskutieren. Hier ist ein Desiderat in der bundespolitischen Pflegeagenda zu beobachten, denn bislang finden sich keine Hinweise darauf, dass die Verbesserung einer Datenerfassung und Berichtslegung in der Pflege als relevanter Aspekt zur Entwicklung erkannt wird. Einen Beitrag dazu müssen und sollten jedoch auch die Pflegekammern liefern, denn die Berufsberichterstattung ist ein zentrales und originäres Aufgabengebiet einer Selbstverwaltung. In Bayern wurde dies durch die Vereinigung der Pflegenden als Arbeitsbereich angenommen; die weitere Entwicklung in anderen Bundesländern bleibt abzuwarten.
 



Hinweise zur Literatur:

Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW 2019
https://broschuerenservice.land.nrw/default/files?download_page=0&product_id=1829&files=4/4/44b0350b27b2d6b7795604e528971cad.pdf

Landespflegebericht Niedersachsen 2020
https://www.ms.niedersachsen.de/download/170841/Landespflegebericht_2020.pdf

Monitoring Pflegepersonalbedarf Bayern
https://www.vdpb-bayern.de/wp-content/uploads/2021/10/210929_Pflegemonitoring_Bayern.pdf