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30.07.2019

Abgeordnete erleben Pflege hautnah

bpa startet Praktikumsreihe für Landtagsabgeordnete: 40 Politikerinnen und Politiker sind dabei

Mit einem Praxistag beim Pflegedienst Herbrich in Steinen hat der Landtagsabgeordnete Josha Frey (Bündnis 90/Die Grünen) die diesjährige Praktikumsreihe des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) in Baden-Württemberg eröffnet. Frey begleitete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dienstes bei Patientenbesuchen und diskutierte mit der Leitung des Dienstes unter anderem Möglichkeiten des Einsatzes von E-Mobilität und die pflegerische Versorgungssituation im Landkreis Lörrach.

Dass es im ganzen Bundesland Engpässe bei der pflegerischen Versorgung gibt, hatte der bpa gemeinsam mit anderen Verbänden durch eine große Branchenbefragung in der stationären Pflege gezeigt. Auch ambulante Dienste führen Wartelisten oder müssen verzweifelten Angehörigen absagen. Josha Frey ist sich dessen bewusst: „Ich bin sehr dankbar für das Engagement des Pflegedienstes Herbrich hier in meinem Wahlkreis. Wir brauchen ein vielfältiges Angebot an pflegerischer Infrastruktur in Baden-Württemberg, in der alte Menschen in verschiedenen Wohnformen – beispielsweise in selbstverantworteten Wohngemeinschaften – ihr neues Zuhause finden und gepflegt werden können. Hier sehe ich die ambulanten Pflegedienste als eine tragende Säule. Für ihre Unterstützung möchte ich mich politisch einsetzen.“

In den nächsten Wochen werden rund 40 weitere Politikerinnen und Politiker für einen Tag in einem Pflegedienst oder in einer stationären Pflegeeinrichtung mitarbeiten. Die Zahl der Abgeordneten aus unterschiedlichen Parteien und Regionen, die für einen Praxistag eine Mitgliedseinrichtung des bpa besuchen, hat sich damit in den letzten Jahren immer weiter erhöht. Einige Politiker blicken bereits zum vierten Mal auf diese Weise in den Pflegealltag.

„Diejenigen, die die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit setzen, sollten auch den Alltag in der Pflege kennen“, erklärt der baden-württembergische bpa-Landesvorsitzende Rainer Wiesner. „In der Pflege machen Arbeitsverdichtung und steigende Nachfrage durch die Alterung der Gesellschaft schnelle und weitreichende politische Weichenstellungen notwendig. Dazu brauchen Abgeordnete Informationen aus erster Hand. Das gelingt am besten im Erfahrungsaustausch mit unseren Mitgliedern.“

Der bpa hatte Landesregierung und Politik in den letzten Wochen vorgeworfen, die tatsächlichen Bedürfnisse und Entwicklungen in der Pflege zu ignorieren. „Für die Abgeordneten sind ein hautnaher Kontakt mit dem Pflegealltag und ein echter Eindruck von den Versorgungsengpässen im Land sicher ein Anstoß, die Hemmnisse für ein weiteres Wachstum von dringend benötigten Pflegeangeboten aus dem Weg zu räumen“, hofft Wiesner.