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03.06.2020

Systemrelevante Berufe: bpa fordert verlässliche Betreuung von Kindern Pflegender

Eingeschränkter Kita-Betrieb belastet Pflegebedürftige

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) in Thüringen hatte die Landesregierung davor gewarnt, die Kita-Notbetreuung von Kindern, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, zum 22. Mai 2020 auszusetzen und lediglich einen eingeschränkten Regelbetrieb aufzunehmen. Die mehr als 250 ambulanten und stationären Einrichtungen im mitgliederstärksten Pflegeverband Thüringens schlagen jetzt Alarm: „Die eingeschränkten Öffnungszeiten machen eine vernünftige Dienstplangestaltung vielerorts unmöglich. Nicht selten dürfen die Kinder erst ab 7.30 Uhr oder nur jede zweite Woche in die Kita. Das bedeutet für die verbleibenden Pflegekräfte massive Überstunden“, erläutert Astrid Regel, bpa-Vorstandsmitglied in Thüringen, die einen ambulanten Pflegedienst in Erfurt betreibt.

Da die eingeschränkten Kita-Zeiten nicht zum Dienstplan passten, arbeiteten die verbliebenen Pflegekräfte am Anschlag. Leistungen müssten zum Teil gekürzt oder verschoben werden. „Viele Pflegebedürftige benötigen aber eine verlässliche Versorgung, beispielsweise bei der Insulin- oder Medikamentengabe. Auch die Unterstützung bei der Abendtoilette können wir ja nicht auf 15 Uhr vorziehen, weil die Pflegerin danach ihr Kind aus der Krippe holen muss“, so Regel.

Deshalb erneuert der bpa Thüringen seine Forderung, bis zur regulären Öffnung der Kitas Mitte Juni die Notbetreuung für Kinder von Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, sofort wieder einzuführen. Margit Benkenstein, Vorsitzende des bpa in Thüringen und Vizepräsidentin des Verbandes, ergänzt: „In der Pflege muss jeden Tag hundertprozentige Qualität erbracht werden. Wir dürfen nicht die Gesundheit von Pflegekräften und hochaltrigen Pflegebedürftigen aufs Spiel setzen. Zudem wünschen sich viele Menschen, ihre pflegebedürftigen Angehörigen in den Einrichtungen wieder besuchen zu dürfen. Hier brauchen wir die volle Personalausstattung, um unsere Schutzmaßnahmen umzusetzen.“