ANSPRUCH PFLEGEN

Aus den Landesgruppen

20.05.2022 /  SH

Pressemitteilung Forum Pflegegesellschaft: Pflege muss Top-Thema bei Koalitionsverhandlungen in Schleswig-Holstein werden - Ausbildungsgipfel für die berufliche Pflege und unbürokratische Entlastungsleistungen für die pflegenden Angehörigen gefordert

Für die anstehenden Koalitionsgespräche weist das Forum Pflegegesellschaft e.V. erneut auf die Bedeutung der pflegerischen Versorgung in Schleswig-Holstein hin.

„Wir brauchen mehr denn je die politische Aufmerksamkeit und entschlossenes Handeln, um die drängenden Probleme der pflegerischen Versorgung in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein gemeinsam zu lösen“, sagt Anette Langner vom Forum Pflegegesellschaft e.V.

Im Rahmen einer Vorstandssitzung des Forum Pflegegesellschaft e.V. ist aus unterschiedlichen Arbeitsgruppen die Situation in der Pflege in Schleswig-Holstein beleuchtet worden. Die Gewinnung von Fachkräften, aber auch die Zukunftssicherung der familiären und professionellen Pflege standen auf der Tagesordnung.

Allein von 2017 bis 2019 ist die Zahl der durch die Pflegeversicherung unterstützten Personen um neunzehn Prozent gestiegen, Tendenz steigend. Über 130.000 Menschen in Schleswig-Holstein haben einen anerkannten Pflegegrad. Davon werden etwa 95.000 Pflegebedürftige zu Hause versorgt wobei nur knapp 32.000 Menschen Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst erhalten. Die Zahl derjenigen, die bereits Hilfe und Unterstützung durch Familien, Freunde oder Nachbarn erhalten, aber noch keinen Pflegegrad haben, lässt diese Angaben noch einmal anwachsen. Nach Schätzungen gibt es bereits jetzt doppelt so viele pflegender Angehörige, bundesweit ca. 5 Millionen.

„Die Bedeutung der Pflege ist den Menschen in Schleswig-Holstein sehr bewusst“, sagt Kay-Gunnar Rohwer vom Forum Pflegegesellschaft e.V. So haben in einer von der DAK Gesundheit im Frühjahr 2022 in Schleswig-Holstein durchgeführten repräsentativen Umfrage 41 Prozent der Menschen die der Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen als wichtigste gesundheitspolitische Aufgabe der künftigen Landesregierung benannt. Gewünscht werden sich u.a. weniger Bürokratie und bedarfsgerechte Entlastungsangebote für Familien.

„Gute Pflege kann aber nur gelingen, wenn ausreichend Mitarbeiter*innen zur Verfügung stehen. Wir brauchen kluge und engagierte Menschen als Fachkräfte und engagierte Unternehmen, die diese ausbilden, aber auch Rahmenbedingungen, unter denen eine gute Arbeit und qualifizierte Ausbildung möglich ist“, sagt Mathias Steinbuck vom Forum Pflegegesellschaft e.V.

Knapp 40 Prozent aller Pflegefachpersonen werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in den Ruhestand gehen. „Pflege muss mehr als drei Zeilen in den Koalitionsvereinbarungen erhalten. Wenn wir das Nachwuchsproblem in der Pflege nicht lösen, werden wir zunehmende Versorgungsengpässe, gerade in den ländlichen Regionen bekommen“, so die Sprecher*innen des Forum Pflegegesellschaft e.V. In einer internen Abfrage des Forums haben deren Mitglieder bereits jetzt problematische Versorgungssituationen in einigen Regionen in Schleswig-Holstein zurückgemeldet.

Wohnortnah, qualifiziert, digital, klimafreundlich, menschlich zugewandt und bezahlbar sind nur einige der Attribute, mit denen das Forum die Pflege der Zukunft skizziert. „Ein erster gemeinsamer Schritt wäre ein Ausbildungsgipfel. Junge Menschen für das vielfältige und sinnstiftende Arbeitsfeld zu gewinnen muss unser gemeinsames Ziel sein“.

 

Das Forum Pflegegesellschaft e.V. ist ein Zusammenschluss von Trägerverbänden mit Pflegeeinrichtungen in Schleswig-Holstein. Der bpa ist Gründungsmitglied des Forum Pflegegesellschaft. Über die Mitgliedsverbände repräsentiert das Forum Pflegegesellschaft e.V. ca. 80 % aller stationären Pflegeeinrichtungen und 70 % aller ambulanten Pflegedienste in Schleswig-Holstein