ANSPRUCH PFLEGEN

Aus den Landesgruppen

20.11.2020 /  NW

Aktuelles zur Pandemie im Überblick

Schutzmaterialien, Schnelltests, Personalmehrbedarf, Besuche in vollstationären Einrichtungen

Die Infektionszahlen in Nordrhein-Westfalen sind leider unverändert auf sehr hohem Niveau und die Coronapandemie wird Sie und Ihre Mitarbeitenden  noch einige Zeit weiter in Atem halten und sehr herausfordern. Mehrere hundert Pflegeeinrichtungen in NRW sind bereits mit Infektionen bei BewohnerInnen/PatientInnen und Mitarbeitenden konfrontiert und die Lage verschärft sich bedauerlicherweise zunehmend. Es war leider damit zu rechnen, dass der Höhepunkt der Infektionszahlen, vor allem in Ihren Einrichtungen und den Krankenhäusern, den Beginn der großen Krisenbewältigungsphase einleitet.  Wir möchten deshalb noch einmal an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt auf einige Punkte hinweisen, die im Rahmen Ihrer konkreten Krisenbewältigung vor Ort hilfreich sein können:
 

  1. Schutzmaterialien

Nach unserem Kenntnisstand liegen derzeit keine Engpässe bei der Beschaffung von FFP 2 Masken vor, so dass alle Pflegeeinrichtungen die Mitarbeitenden, die in der direkten pflegerischen und betreuerischen Versorgung tätig sind, mit entsprechenden Masken ausstatten können. FFP 2 Masken bieten bei der derzeitigen Infektionslage und unter Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes die beste Schutzmöglichkeit. Die Kosten hierfür können Sie weiterhin über den Rettungsschirm nach § 150 SGB XI abrechnen - auf jeden Fall noch bis Ende März 2021 und sie sind nicht gedeckelt! Dies gilt auch für die Schutzmaterialien in Zusammenhang mit der Durchführung der Schnelltests (PoC-Antigen-Tests), die Sie ebenfalls über den bekannten Rettungsschirm abrechnen und damit refinanziert bekommen.
Sofern Sie wiedererwartend Lieferprobleme oder Engpässe feststellen, wenden Sie sich an Ihre zuständige Kommune, die Ihnen in Notsituationen und bei kurzfristigen Engpässen weiterhelfen muss – dafür hat das Land NRW seine selbst beschafften Bestände an Schutzmaterialien aus dem Frühjahr vor einiger Zeit allen Kommunen zur Verfügung gestellt, um Sie im Bedarfsfall sehr kurzfristig  unterstützen zu können!
 

  1. Schnelltests (PoC-Antigen-Tests)

Die Verfügbarkeit der Schnelltests ist nach unserem Kenntnisstand grundsätzlich sichergestellt. Informationen zur entsprechenden Anbieter-Liste des BMG (Corona Update vom 27.10.2020) und zu Angeboten, die der bpa für seine Mitgliedseinrichtungen exklusiv  „ sichern“ konnte (bpa Sonderinformation des Bundes vom 10.11.2020) liegen Ihnen vor. Zurückgemeldete Startschwierigkeiten und Verzögerungen bei Lieferungen sollten hoffentlich nun behoben sein und wir gehen fest davon aus, dass Sie sehr bald auf die notwendigen Kontingente zur Durchführung der Schnelltests in Ihren Einrichtungen zurückgreifen können. Sollte das nicht der Fall sein, melden Sie sich bitte bei uns unter nordrhein-westfalen(at)bpa.de.

Ihr einrichtungsindividuelles Testkonzept, das Sie an Ihr zuständiges Gesundheitsamt verschickt haben, sollte bereits genehmigt sein. Sofern Sie von dort noch nichts gehört haben, drängen Sie bitte auf eine entsprechende Rückmeldung, die Sie erwarten können! Kommt keine Rückmeldung, gilt das von Ihnen eingereichte Testkonzept 14 Tage nach Einreichung beim Gesundheitsamt als genehmigt, wenn es die wesentlichen Inhalte aus der Anlage 1 zur AV Testungen NRW enthält . Unsere Erfahrungen der vergangenen Wochen zeigen, dass sich die Gesundheitsämter in der Regel mit den Inhalten der Testkonzepte befassen und zum Teil auch eigene Vorstellungen haben, die in die Testkonzepte der Einrichtungen einfließen sollen. Daher ist eine Abstimmung mit den Gesundheitsämtern, auch zur eigenen Handlungsorientierung, sehr sinnvoll und zu empfehlen und Sie können dies auch von Ihrem zuständigen Gesundheitsamt erwarten.

Die notwendigen Schulungsmaßnahmen für Ihre Mitarbeitenden, die die Tests durchführen sollen, können alternativ von kooperierenden niedergelassenen Ärzten, Ihren Betriebsärzten und auch digital über Angebote der Medizinischen Dienste (MDKn) oder anderer Anbieter, wie z.B. Kassenärztliche Vereinigungen/Ärztekammer/Hausärzteverbände durchgeführt werden. Hier haben sich bereits verschiedene Kanäle entwickelt, auf die Sie zurückgreifen können. Die Problemanzeigen hierzu nehmen erfreulicherweise deutlich ab.

Eine Liste zur notwendigen Qualifikation/Berufsgruppen der Mitarbeitenden, die die Schnelltests in NRW grundsätzlich nach entsprechender Schulung durchführen dürfen, haben wir Ihnen bereits vor einiger Zeit zukommen gelassen und finden Sie auch noch einmal hier.

Die Refinanzierung der durchgeführten Schnelltests in Ihren Einrichtungen, max. 7 Euro pro Test (Testmaterial) und 9 Euro (pauschal) pro durchgeführtem Test für die entsprechenden Personalaufwendungen, ist seit dieser Woche abschließend geklärt und die Einzelheiten hierzu haben wir Ihnen gestern per E-Mail übermittelt (GKV-Festlegung, bpa Arbeitshilfe etc.).

  1. Personalmehrbedarf

Selbstverständlich führen die Coronaschutzmaßnahmen in Ihren Einrichtungen insgesamt zu einem erhöhten Bedarf an Personalressourcen, die Sie über den Rettungsschirm nach § 150 SGB XI auch als entsprechenden Aufwand angeben können und refinanziert bekommen. Hier bleibt es bei dem bekannten und bereits seit Frühjahr praktizierten Erstattungsverfahren.

Bitte achten Sie darauf, dass Sie die Abgrenzung sicherstellen, denn der Personal- und Sachkostenaufwand  in Zusammenhang mit den Schnelltests wird in einem gesonderten Verfahren erstattet (wir hatten gestern dazu berichtet). (Mehr-)Personal für diese Tätigkeit (Durchführung der Schnelltests) wird mit den erwähnten 9 Euro pro durchgeführtem Schnelltest pauschal abgegolten. Es darf hier zu keiner Vermengung kommen, darauf sollten Sie bitte achten.
Da auf dem Arbeitsmarkt Pflegekräfte und Hilfskräfte nicht „auf den Bäumen wachsen“ wird es nicht einfach sein, zusätzliches Personal zur Bewältigung der coronabedingten Herausforderungen für Ihre Einrichtungen zu gewinnen – das ist uns bewusst. Nach uns vorliegenden aktuellen Informationen (Bericht des Gesundheitsministeriums an den Landtag NRW) stehen über das Freiwilligenregister des Landes nun fast 1.000 Personen zur Verfügung, die die Einrichtungen in der Pflege und im Gesundheitswesen unterstützen können und wollen. Personal kann also nun auch über diesen Weg rekrutiert werden. Das Freiwilligenregister selbst wendet sich nur an die Freiwilligen. Sie als Einrichtungen müssen sich bitte an den Krisenstab in ihrer Kommune wenden, die die Freiwilligen vermitteln. Nur sie haben den Zugriff auf die Daten und geben diese im Bedarfsfall weiter.
Hierzu werden in der Regel konkrete Angaben benötigt zu:

  • Umfang (Teilzeit mit ggf. Stundenangaben, Vollzeit)
  • Beginn der Tätigkeit/Arbeitseinsatz
  • Dauer des Arbeitseinsatzes
  • Tätigkeit bei Infizierten/Nichtinfizierten
  • Einsatzort (z.B. stationäre Pflegeeinrichtung)
  • Qualifikationserfordernis (z.B. Ausbildung in der Pflege, Hilfskräfte etc.)

Bitte halten Sie uns auf dem Laufenden, wenn es hier bei konkreten Anfragen Ihrerseits zu Störfaktoren kommen sollte.

  1. Besuche in vollstationären Pflegeeinrichtungen

Unter Berücksichtigung der hohen Infektionszahlen und der damit verbundenen Risiken sowie der großen organisatorischen und personellen Herausforderungen in vollstationären Pflegeeinrichtungen, können Besuche von Angehörigen nicht in der gleichen Form stattfinden, wie vor Corona-Zeiten. Niemand wünscht sich Einschränkungen von Besuchen, sie müssen jedoch so von den Einrichtungen organisiert werden können, dass der größtmögliche Schutz der BewohnerInnen gewährleistet werden kann. Die Schnelltests können hier einen wichtigen Beitrag leisten, sie sind jedoch kein Allheilmittel. Ihre Zuverlässigkeit ist hoch, sie sind jedoch deutlich geringer im Hinblick auf Sensitivität und Spezifität einzustufen, als die klassischen PCR-Tests. Darüber hinaus müssen die Tests organisatorisch händelbar sein und können nach der TestV des Bundes auch maximal einmal in der Woche bei Besuchern zum Einsatz kommen.
Vor diesem Hintergrund muss für alle Beteiligten nachvollzogen werden können, dass Besuche am besten und reibungslosesten

  • nur nach vorheriger Ankündigung und Terminplanung
  • nur nach vorherigem screening und Feststellung von Symptomfreiheit der Besucher
  • nur bei Einhaltung der AHA-Regeln im Gebäude und auch im Bewohnerzimmer!

stattfinden können.
Besuchern, die Erkältungssymptome aufweisen (auch leichte Symptome) sollte in Zeiten hoher Infektionszahlen grundsätzlich kein Zugang in die Einrichtung ermöglicht werden, unabhängig vom Ergebnis eines Schnelltests (Ausnahme Sterbebegleitung!). Gleiches gilt selbstverständlich für Positivtestung nach Durchführung eines Schnelltests.

Ausgewiesene Besucherbereiche sind, sofern organisatorisch umsetzbar, aus unserer Sicht zu empfehlen. Sie können auch dazu dienen, die Anzahl der Besuche und Kontakte etwas besser steuern zu können, denn Kontaktreduktion ist und bleibt ein wichtiges Instrumentarium, um Infektionsrisiken zu reduzieren. Uns ist bewusst, dass dies eine Gradwanderung bzw. einen Balanceakt für Sie und Ihre Mitarbeitenden bedeutet und zu einem Teil auf wenig Gegenliebe bei Besuchern und teilweise auch bei WTG-Behörden stößt. Die damit verbundenen Zumutungen auf allen Seiten bedeuten eine große Belastung. Es ändert aber nichts daran, dass sie erduldet und durchgestanden werden müssen, aber hoffentlich in naher Zukunft mit den angekündigten Erfolgen bei der Impfstoffentwicklung und Implementierung der bundesweiten und landesweiten Impfstrategie ein Ende haben werden!
In NRW werden bereits im Dezember diesen Jahres 53 Impfzentren sozusagen „aus dem Boden gestampft“ und dies lässt die berechtigte Hoffnung zu, dass sehr bald nach den Wintermonaten eine Entspannung in Ihren Einrichtungen eintreten wird. Lassen Sie uns gemeinsam hoffen und die Daumen drücken, dass die angekündigten Erfolge in der Praxis bald ihre Wirkung entfalten!