Wie kann die Versorgung von Pflegebedürftigen gesichert werden? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltungen des bpa auf dem Hauptstadtkongress 2026 in Berlin. In Podiumsdiskussionen, Fachforen und zahlreichen Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern machte der bpa deutlich: Die Herausforderungen in der Pflege sind bekannt, jetzt müssen die richtigen Konsequenzen gezogen werden.
Den Auftakt bildete die Podiumsdiskussion „Die Verzweiflung hat die Seiten gewechselt: Pflegebedürftige auf der Suche nach Versorgung“. Im Mittelpunkt stand die zunehmend schwierige Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Christiane Hüppe vom Angehörigenverband wir pflegen e.V. schilderte die Realität vieler Familien, die trotz anerkanntem Pflegebedarf oft lange nach einem Versorgungsangebot suchen müssen. Lars Wöhler, bpa-Vorstandsmitglied aus Niedersachsen, berichtete aus der Praxis, dass Einrichtungen täglich Anfragen ablehnen müssen, weil Personal und Kapazitäten fehlen.
Gemeinsam mit der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Katrin Staffler, diskutierten die Teilnehmer darüber, wie wieder mehr Versorgung ermöglicht werden kann. Die zentrale Botschaft des bpa, vertreten durch Hauptgeschäftsführer Norbert Grote: Die Politik muss die Praxis stärker einbeziehen und die Personalsicherung endlich ins Zentrum ihrer Reformen stellen. Neue Parallelstrukturen lösen keine Versorgungsengpässe, wenn gleichzeitig die Kapazitäten in der Pflege nicht gestärkt werden.
Auch bei der Diskussion zur Pflegefinanzierung auf der Hauptbühne wurde deutlich, wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist. Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, machte deutlich, dass die soziale Pflegeversicherung bereits in diesem Jahr vor erheblichen Liquiditätsproblemen steht. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass gute Pflege auch weiterhin eine angemessene Vergütung der Beschäftigten voraussetzt.
Für den bpa machte Hauptgeschäftsführer Norbert Grote auch hier deutlich, worauf es jetzt ankommt: Digitalisierung und Entbürokratisierung müssen konsequent vorangetrieben werden. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels brauchen Pflegeeinrichtungen mehr Flexibilität beim Personaleinsatz, um die Versorgung verlässlich organisieren zu können. Starre Vorgaben verschärfen die Probleme zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund kritisierte der bpa auch zentrale Regelungen des geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG). Vorgesehene Einschränkungen bei der Dynamisierung, Eingriffe in gewachsene Beratungsstrukturen und zusätzliche Begrenzungen für die Einrichtungen drohen nach Auffassung des Verbandes die Versorgung weiter zu erschweren. Die Verschiebung des Kabinettsbeschlusses müsse nun genutzt werden, um die gravierendsten Fehlentwicklungen noch zu korrigieren.
Neben den politischen Diskussionen standen auch konkrete Herausforderungen der Versorgungspraxis im Mittelpunkt. Im Forum „Organisationsproblem Personalbemessung: Wie sich die Umsetzung des PeBeM auf Führung, Planung und Controlling auswirkt“ diskutierten unter der Moderation von Prof. Dr. Martin Heckelmann (HTW Berlin) Mathias Stübe (Vorstandsmitglied bpa-Landesgruppe Hamburg), Constanze Büchner (CrewLinQ GmbH), Sabine Gotthardt (Heimleiterin EKH-Pflegeheim Zwönitz) und Heide Kluge (Pflegedienstleiterin EKH-Pflegeheim Zwönitz) über die praktischen Auswirkungen der Personalbemessung auf den Alltag in den Einrichtungen.
Im Fachforum „Telematikinfrastruktur-Anbindung: Ein Jahr danach“ standen die Erfahrungen aus der Digitalisierung der Pflege im Fokus. Unter der Moderation von Sven Wolfgram, bpa-Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter ambulante Versorgung, diskutierten Lars Gottwald (gematik), Frank Lehmköster (Geschäftsleitung Pflegewerk Köln) und Dr. Kristina Spöhrer (1. stellvertretende Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen e. V.) über die bisherigen Entwicklungen und die nächsten Schritte bei der digitalen Vernetzung des Gesundheitswesens.
Der Hauptstadtkongress 2026 hat erneut gezeigt: Die Herausforderungen in der Pflege sind groß, die Lösungsansätze liegen jedoch auf dem Tisch. Entscheidend wird sein, die Perspektive der Versorgungspraxis stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen. Dafür hat sich der bpa in zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen während der Kongresswoche mit Nachdruck eingesetzt.








