Meurer im The Pioneer-Interview der Woche: „Man hat sich an der Pflegeversicherung vergriffen“

Scharfe Kritik an Reformplänen: Bernd Meurer spricht im Interview mit Jörg Thadeusz über die Reformen und den Notstand im deutschen Pflegesystem

bpa-Präsident Bernd Meurer warnt im exklusiven “Interview der Woche” im Hauptstadt Briefing von The Pioneer mit Jörg Thadeusz vor den Folgen der geplanten Pflegereform. Statt die Versorgung zu sichern, kürze die Bundesregierung Leistungen und begrenze die Gehaltsentwicklung in der Pflege.

„Zunächst muss man klarstellen, dass Frau Warken mit ihrem Gesetz nicht spart, sondern Leistungen und jetzt auch Gehälter kürzt. Das ist nicht gespart. Es gibt ganz andere Stellen, wo man sparen könnte, ohne Leistungen zu kürzen und ohne dem Personal für die nächsten zwei Jahre die Lohnerhöhungen zu streichen. […] Jetzt wird an genau diesen Menschen, die eh schon stark belastet sind, einfach gespart. Die bekommen jetzt die nächsten zwei, drei Jahre keine Lohnerhöhung mehr. Das sieht für mich nicht nach einem Konzept aus.“

Dabei liegt das eigentliche Problem tiefer: Es fehlen schon heute Pflegekräfte, während immer mehr Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Meurer fordert deshalb, Pflegefachkräfte gezielter einzusetzen, Anerkennungs- und Einwanderungsverfahren drastisch zu beschleunigen und versicherungsfremde Leistungen endlich aus Steuermitteln zu finanzieren.

Seine Botschaft: Wer die Pflegeversicherung stabilisieren will, darf die Krise nicht auf dem Rücken der Pflegebedürftigen, ihrer Angehörigen und der Beschäftigten lösen.

Ich bin seit 35 Jahren Pflegeheimbetreiber. Es war noch nie so schwer wie heute. Wenn man kein Personal hat, kann man keine Menschen pflegen.