Erfolgreicher Branchentreffpunkt: bpa-Fachkongress und Pro Care

Zwei inspirierende Tage mit klaren Worten und starken Impulsen für die Pflege

Mit klaren Positionen zur aktuellen Lage in der Pflege eröffnete der bpa-Fachkongress am 10. Februar in Hannover.

bpa-Präsident Meurer eröffnete die Pflegefachmesse gemeinsam mit politischer Prominenz: Gesundheitsministerin Nina Warken war ebenso gekommen wie die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, und der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi. 

🎬Einen Rückblick vom Fachkongress erhalten Sie hier:


 

🎬Impressionen vom ersten Tag Pro Care gibt es hier:



„Wir fahren auf Verschleiß" – dieser Satz von Meurer hallte im Raum besonders nach, weil er das ausspricht, was viele in Einrichtungen und Diensten jeden Tag erleben: Es knirscht nicht irgendwo im System. Es ist Dauerstress, Dauerknappheit, Dauerkompensation. Bereits zum Auftakt wurde also deutlich: Die Pflegebranche steht unter erheblichem Druck und braucht verlässliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Stabilität und realistische Reformschritte.

Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Auftaktdebatte setzt klare Erwartungen an die Politik 

In unserem großen Kongresssaal rückten im weiteren Verlauf des Tages zentrale struktur- und versorgungspolitische Fragen in den Mittelpunkt. Den Auftakt machte eine Diskussionsrunde zur aktuellen Gesetzeslage in der Pflege. Unter dem Titel „Zwei Gesetze, eine Kommission. Und jetzt ist alles gut?“ diskutierten bpa-Präsident Bernd Meurer, Christine Vogler (Deutscher Pflegerat), Anna Leonhardi (DEVAP) und Dr. Joachim Rock (Der Paritätische) über strukturelle und finanzielle Herausforderungen, die nur mit langfristigen, verbindlichen und solidarisch getragenen Lösungen zu bewältigen sind.

In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass die Pflege vor strukturellen und finanziellen Herausforderungen steht, die sich nicht mit Einzelmaßnahmen oder kurzfristigen Reformen lösen lassen. Ein zentrales Thema war die Frage der Generationengerechtigkeit und der solidarischen Finanzierung: Pflege müsse als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden, bei der Leistungsfähigkeit und Verantwortung fair verteilt werden. Einigkeit bestand auch darin, dass es mehr Verbindlichkeit, eine langfristige, legislaturübergreifende Strategie braucht und für ausreichende finanzielle Mittel gesorgt werden muss. 

Kritisch gesehen wurden die Vielzahl paralleler Kommissionen, fehlende klare Aussagen zur Finanzierung sowie der stetig wachsende Bürokratieaufwand, der Einrichtungen und Dienste zunehmend lähmt. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Pflege für Arbeitsmarkt, Versorgungssicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt wurde betont.

Den politischen Fokus auf Prävention wies Meurer deutlich zurück: „Mit Prävention rettet man nicht die Welt“. Natürlich sei Prävention sinnvoll, löse aber weder die akuten Finanzierungsprobleme noch den demografischen Druck. Prävention kurzfristig bringe keine nennenswerte finanzielle Entlastung. Die Fixierung darauf bezeichnete Meurer als Ausweichstrategie, die von den realen Problemen ablenke.

Meurer stieß auch an, dass über die Pflegegrad 1 und dessen Notwendigkeit ernsthaft diskutiert werden müsse. Grundsätzlich sprach er sich für eine realistische, ehrliche Debatte aus. Die Politik müsse den Mut haben, die demografischen Fakten offen zu benennen und klare Prioritäten zu setzen. Pflege sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht länger durch Verantwortungsverschiebung, Kleinreformen und Verwaltungslogik blockiert werden dürfe. 

Im anschließenden Forum „Wirtschaftlichkeit schaffen, Versorgung sichern“ stellte Detlef Friedrich, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von contec GmbH eine Aktualisierung der Studie zur Herleitung des allgemeinen Unternehmerrisikos in der Pflege vor.

Beim Praxisdialog „Entstehen jetzt wieder neue Versorgungsstrukturen?“ richteten Vertreterinnen und Vertreter drei großer Träger  – Johanna Kaste (Caritas Bremen), Robert Jansen (Schon & Jansen GmbH), und Johannes Knake (compassio)  – den Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Pflege und wie sich Versorgungslandschaften verändern könnten. „Wir wollen die alte Altenpflegeausbildung zurück. Dann würde ich sofort auch wieder selbst ausbilden", sagte Robert Jansen bezüglich der Generalistik und den schlechten Ausbildungszahlen in der Pflege. 

Einen besonderen Akzent setzte die Keynote von Meteorologe Sven Plöger unter dem Titel „It’s gettin’ hot in here!“. In seinem Beitrag spannte er den Bogen zwischen Klimawandel, gesellschaftlicher Verantwortung und Auswirkungen auf Pflegeeinrichtungen. „Ja der Einzelne kann nur wenig tun, aber wir sind acht Milliarden Menschen und acht Milliarden Mal wenig ist viel.", sagte Plöger. Der Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde sorgte für einen Perspektivwechsel und zeigte auf, dass Zukunftssicherung in der Pflege auch ökologische und gesellschaftliche Aspekte einbeziehen muss.

Den Abschluss des Programms bildete die Azubirunde „Die Zukunft könnt IHR schaffen!“. Hier standen die Stimmen junger Menschen in der Pflege im Mittelpunkt, und ihre Motivation für den Beruf. Sie schilderten ihre Erwartungen an Ausbildung, Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven und machten deutlich, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Pflege auch künftig als attraktiver Beruf wahrgenommen wird.

Der erste Kongresstag zeigte bereits eindrucksvoll, wie vielschichtig die Herausforderungen der Pflege sind und dass tragfähige Lösungen nur im Zusammenspiel von Politik, Praxis und Nachwuchs – und gesamtgesellschaftlicher Verantwortung entstehen können. 

Höhepunkt des Tages: Die Verleihung des bpa-Zukunftsawards 2026

Drei Kategorien – Drei wegweisende Konzepte

Ein feierlicher Moment war am frühen Abend die Verleihung des bpa-Zukunftsawards 2026, mit dem herausragende Projekte in drei Kategorien ausgezeichnet wurden. Die Preisträgerinnen und Preisträger überzeugten mit kreativen und nachhaltigen Ansätzen für die Pflegebranche: 


•    Kategorie Modernes Unternehmen: 
„Ganzheitliche KI-Nutzung zur Entlastung der Mitarbeitenden, zur Prozessoptimierung und zur Stärkung der Dokumentationsqualität in der ambulanten Pflege“
Pflegedienst Kremer GmbH, Hessen

Das Konzept nutzt Künstliche Intelligenz ganzheitlich zur Entlastung von Pflege- und Verwaltungsteams in der ambulanten Pflege. KI-gestützte Dokumentation, Telefonie und Recruiting reduzieren Zeitaufwand massiv, verbessern Qualität und Erreichbarkeit und schaffen spürbar mehr Freiraum für die direkte Versorgung.
 
•    Kategorie Nachhaltigkeit:
„Sprache verbindet - Integration stärkt Pflegequalität" 
Schönberg Pflege- und Seniorendienste GmbH, Baden-Württemberg

Das Projekt stärkt Pflegequalität und Teamarbeit durch systematische Sprach-, Integrations- und Führungskräfteförderung in multikulturellen Pflegeteams. Sprachtraining, Leitungscoaching und Teamsupervision verbessern Kommunikation, Integration und Arbeitsatmosphäre nachhaltig und sind fest in der Personalentwicklung verankert.
 
•    Kategorie Innovative Versorgung:
„Eröffnung einer Palliativen Tagespflege Aki Heidelberg"
Aki Heidelberg, Baden-Württemberg

Das Konzept der palliativen Tagespflege schließt die Lücke zwischen häuslicher Versorgung und stationären Angeboten. Es verbindet palliative Fachpflege, psychosoziale Begleitung und soziale Teilhabe zu einem Tagesangebot, das Lebensqualität, Sicherheit und Entlastung von Angehörigen bis zuletzt in den Mittelpunkt stellt.

 

Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden von den Laudatoren Margit Benkenstein (bpa-Vizepräsidentin), Katy Karrenbauer (Schauspielerin und Autorin) und Thomas Hartung (Chefredakteur Care vor 9) für ihr herausragendes Engagement und ihre visionären Ideen gewürdigt.

In ihren Ansprachen betonten sie die Bedeutung innovativer Ansätze für eine zukunftsfähige Pflege und den Mut der Preisträger/-innen, neue Wege zu gehen.

Die ausgezeichneten Initiativen stehen beispielhaft für den Wandel in der Pflegebranche. Sie zeigen, wie durch den Einsatz moderner Technologien, nachhaltiger Konzepte und neuer Versorgungsmodelle die Qualität der Pflege verbessert und gleichzeitig Pflegekräfte entlastet werden können.

Mit der Verleihung des bpa-Zukunftsawards 2026 wurde einmal mehr deutlich: Die Pflegebranche ist bereit für Innovationen – und diese brauchen eine Bühne. 

Am bpa-Stand gab es dann anschließend mit Getränken, kleinen Köstlichkeiten und bei Live-Musik und DJ die Gelegenheit ins Gespräch zu kommen und den ersten ereignisreiche Tag gemeinsam Revue passieren zu lassen. 

Generation Z als Chance – warum Transformation in der Pflege bei uns selbst beginnt

Eines der Highlights unsers zweiten Kongresstag stand im Zeichen eines ehrlichen Blicks nach innen: mit David Thiele und Tochter Anna Thiele:

📊 30 Millionen Babyboomer stehen nur noch rund 11 Millionen Menschen der Generation Z gegenüber – bei gleichzeitig steigender Teilzeitquote. Der Fachkräftemangel ist keine Stimmungslage. Er ist demografische Realität.

Die Botschaft des Vortrags war klar:
Keine kosmetischen Korrekturen. Keine Imagekampagnen ohne Substanz.

Gefordert ist echte Transformation.
✔️ Klare Werte
✔️ Verlässlichkeit
✔️ Bessere Kommunikation
✔️ Führungskräfte, die Veränderung vorleben

Die Generation Z ist keine Bedrohung. Sie ist eine Chance – wenn Einrichtungen bereit sind, sich selbst zu verändern.

Weitere Vorträge und Workshops des Tages zeigten, wie breit Transformation in der Pflege gedacht werden muss: Nachhaltige und klimafreundliche Pflege, CO₂-Bilanzen und Fördermanagement, Employer Branding und neue Karrierewege, Regulierung vs. Versorgungsrealität, Mini-Jobs, Kostenstrukturen, PeBeM und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

👉 Einige Eindrücke von beiden Tagen finden Sie oben in der Bildergalerie.

Damit geht eine ereignisreicher bpa-Kongress im Rahmen der ProCare26 zu Ende. Was bleibt? Folgende Erkenntnis:
Ob Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Fachkräftesicherung oder emotionale Entwicklung in der Betreuung – die Branche steht stetig im Wandel, der gestaltet werden muss!

Nach der Pro Care ist vor der Pro Care: Der nächste bpa-Fachkongress findet am 02. und 03. Februar 2027 statt!