Politischer Rückblick: Meurer, Warken und Philippi auf der Pro Care

Die wichtigsten Aussagen zur Pflegepolitik auf der Pro Care 2026

250 zufriedene Ausstellerinnen und Aussteller,6.600begeisterte Teilnehmende, eine restlosausverkaufteMessehalle und über 400 Besucherinnen und Besucher beim bpa-Fachkongress: Die Pro Care in Hannover war dieses Jahr nicht nur gut besucht, sondern ein echtes Branchentreffen. Der bpa-Fachkongress überzeugte dabei mit einem hochkarätigen Programm, klaren Positionen und Debatten, die weit über das Tagesgeschäft hinausgingen.

Sie konnten an dem bpa-Fachkongress nicht teilnehmen oder möchten noch einmal die wichtigsten Geschehnisse zusammengefasst haben?

🎬In unserem  Rückblick-Video auf dem YouTube-Kanal des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. haben wir ein paar Stimmen unseser Besucherinnen und Besucher eingefangen. 

Lassen Sie uns zudem noch einmal einen Blick auf die wichtigsten politischen Aussagen werfen:

Bernd Meurer: „Im Moment sehen wir Baustellen, die Lösungen sehen wir noch nicht.“ 

„Wir fahren auf Verschleiß" – dieser Satz von Meurer hallte im Raum besonders nach, weil er das aussprach, was viele in Einrichtungen und Diensten jeden Tag erleben: Es knirscht nicht nur irgendwo im System. Es ist Dauerstress, Dauerknappheit, Dauerkompensation. Bereits zum Kongressauftakt machte er deutlich: Die Pflegebranche steht unter erheblichem Druck und braucht verlässliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Stabilität und realistische Reformschritte. 

Im Interview auf der Pro Care machte bpa-Präsident Bernd Meurer deutlich: Der Fachkräftemangel ist unbestritten. Ebenso der Konsens, dass Pflegefachkräfte mehr Kompetenzen erhalten und eigenverantwortlicher arbeiten sollten. Gleichzeitig stoßen Einrichtungen finanziell an ihre Grenzen. Investitionen in neue Infrastruktur bleiben aus – mit gravierenden Folgen für die Versorgung.

Klar ist für den bpa: Lösungen dürfen nicht am grünen Tisch von reinen Beamten- und Juristenrunden entwickelt werden. Die hohe Fach- und Lösungskompetenz der Praxis muss zwingend eingebunden werden. Der Verband fordert daher einen politischen Dialog auf Augenhöhe – gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden. Der bpa-Präsident machte in seiner Auftaktrede deutlich: "Frau Ministerin, wir wollen Partner sein für Lösungen." 

▶️ Das vollständige Interview finden Sie mit Klick auf das Bild: 


Im weiteren Verlauf des Fachkongresses wies Meurer den politischen Fokus auf Prävention deutlich zurück: „Mit Prävention rettet man nicht die Welt“. Natürlich sei Prävention sinnvoll, löse aber weder die akuten Finanzierungsprobleme noch den demografischen Druck. Prävention kurzfristig bringe keine nennenswerte finanzielle Entlastung. Die Fixierung darauf bezeichnete Meurer als Ausweichstrategie, die von den realen Problemen ablenke.

Meurer stieß auch an, dass über den Pflegegrad 1 und dessen Notwendigkeit ernsthaft diskutiert werden müsse.

„Herr Meurer, da haben Sie recht.“ – Gesundheitsministerin bei Auftaktrede

Bei der Auftaktveranstaltung dankte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zunächst für die Messe als Ort des Austauschs. Hier träfen Menschen zusammen, die Verantwortung tragen, Lösungen diskutieren und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Angesichts der wachsenden Herausforderungen sei genau das notwendig. 

Im Zentrum stehe, wie bpa-Präsident Bernd Meurer kurz zuvor verdeutlichte, tatsächlich die Frage, welche Leistungen künftig zu erwarten und finanzierbar seien. 

Die Zahl der Pflegebedürftigen steige stetig, der Druck auf das System nehme zu. Die Bundesregierung habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Lage in der Pflege spürbar zu verbessern und die Attraktivität der Berufe deutlich zu steigern – ein Punkt, den sie mehrfach betonte.

Mit Blick auf die Reform der Pflegeversicherung wandte sie sich wörtlich an Bernd Meurer, der zuvor appellierte: „Wir schieben die große Welle vor uns her – wir müssen die Leistung auf den Prüfstand stellen" und sagte: „Herr Meurer, da haben Sie recht – die Pflegeversicherung muss zu mehr Stabilität führen.“ Ein Gesetzentwurf solle im Frühjahr vorgelegt werden, dann könne das Verfahren starten. Die Finanzierung müsse auf breitere Schultern verteilt und das System moderner sowie generalistischer aufgestellt werden.

Zum Thema Bürokratieabbau sagte Warken: Mehr Vertrauen zwischen Leistungserbringern und Kassen würde bereits viel bewirken. Insgesamt gelte: Die Sicherung der Pflege sei Verantwortung des gesamten Staates und der gesamten Gesellschaft.

Fazit: Offen bleibt, wie schnell und wie konsequent diese Stabilität tatsächlich hergestellt werden kann. Ein Gesetzentwurf im Frühjahr ist angekündigt – doch die Einrichtungen stehen bereits jetzt unter massivem wirtschaftlichem Druck. Zwischen Ankündigung und spürbarer Entlastung liegt erfahrungsgemäß ein weiter Weg. 

Auch beim Thema Bürokratie wurde die Notwendigkeit von mehr Vertrauen betont. Aus Sicht der privaten Anbieter reicht Vertrauen allein jedoch nicht. Es braucht konkrete gesetzliche Schritte zum Abbau von Doppelprüfungen, Dokumentationspflichten und widersprüchlichen Vorgaben. Solange sich daran strukturell nichts ändert, bleibt die Entlastung im Pflegealltag begrenzt.

Bürokratie auf dem Prüfstand: 44 Kontrollen für ein Pflegeheim

Auch auf der Spotlight Stage der Messe wurde beim UVN-Dialog „Niedersachsen im Blick“ engagiert diskutiert. Mit dabei waren unter anderem Ricarda Hasch (bpa-Landesvorsitzende Niedersachsen), Andreas Philippi (Landesminister für Gesundheit Niedersachsen), Katrin Staffler (Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung) und Benedikt Hüppe (UVN).

Nach intensiven Debatten über die Lage der Pflege brachte Ricarda Hasch das drängende Problem auf den Punkt: die ausufernde Bürokratie. Sie überreichte Minister Philippi eine Liste mit 44 Prüfstellen, die in Niedersachsen regelmäßig Pflegeheime kontrollieren – teils mit identischen oder mehrfach geprüften Kriterien. Ein Aufwand, der Zeit frisst, Personal bindet und die tägliche praktische Pflege spürbar ausbremst.

Der Minister zeigte großes Verständnis für die geschilderte Situation, nahm die Liste gerne entgegen und signalisierte, dass er das Thema prüfen wolle. Die Notwendigkeit einer echten Entbürokratisierung wurde damit klar benannt. 

Auch das Branchenportal Care vor9 bietet Ihnen eine Zusammenfassung der politischen Diskussionen auf der Pro Care im Artikel 🔗"Warken ruft Pflegebranche zu Veränderungsbereitschaft auf"