Sozialämter stehen bei Pflegeeinrichtungen mit mehr als einer halben Milliarde Euro in der Kreide

BILD am Sonntag greift Pflegekostenkrise auf

Die Pflegekosten für Betroffene und ihre Familien steigen weiter. Die BILD am Sonntag hat das Thema mit mehreren persönlichen Schicksalen aufgegriffen und dabei auch die Zahlen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) zur finanziellen Situation der Pflege veröffentlicht: Pflegeheime warten bundesweit inzwischen auf mehr als eine halbe Milliarde Euro ausstehender Zahlungen der Sozialämter. Gleichzeitig steigen die Eigenanteile für Pflegebedürftige weiter an und bringen immer mehr Familien an ihre Belastungsgrenze.

bpa-Präsident Bernd Meurer sagte gegenüber der BILD am Sonntag:

"Die Sozialämter stehen bei den Pflegeeinrichtungen schon jetzt mit hunderten Millionen in der Kreide. Sie sind völlig überlastet und lassen Pflegebedürftige und Angehörige am langen Arm verhungern. Ämter gestehen offen ein, dass die Verfahren teilweise drei Jahre dauern. So lange lebt kaum jemand im Pflegeheim. Das gefährdet die Versorgung und belastet die Familien schon heute enorm. 

Die Verfahren bei der Hilfe zur Pflege müssen extrem vereinfacht und beschleunigt werden. Einrichtungen müssen sich auf schnelle Bewilligungen verlassen können oder Abschlagszahlungen erhalten. 

Die Pflegereform muss das System entrümpeln. Systemfremde Leistungen in Milliardenhöhe müssen raus aus dem Beitragssystem. Bürokratie runter, Digitalisierung rauf." 

Für den bpa ist klar: Eine nachhaltige Pflegereform darf nicht mit zusätzlichen Belastungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Einrichtungen beginnen. Zunächst müssen die strukturellen Probleme im System gelöst und bestehende Effizienzpotenziale genutzt werden, damit Versorgung dauerhaft gesichert werden kann.