News der bpa.Landesgruppe Niedersachsen

Dr. Philippi: „System der Generalistik möglicherweise überdenken und anpassen.“

bpa fordert konkrete Maßnahmen des Landes bei der Personalsicherung und mehr Vertrauen in die Pflegeeinrichtungen

Die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung ist eine der zentralen politischen Aufgaben in Niedersachsen. Das hat die Landesvorsitzende der bpa-Landesgruppe Niedersachsen Ricarda Hasch betont. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Verbandes am 19. September 2025 in Hannover lobte Hasch die enge Zusammenarbeit aller Pflegeverbände im Land. „Obwohl von Seiten der Politik keine große Unterstützung kam und die politische und wirtschaftliche Lage das Geschäft noch zusätzlich erschwert haben, hat die gute Zusammenarbeit zwischen allen Trägern in Niedersachsen in den letzten Jahren funktioniert. Wir unterscheiden nicht zwischen den Sektoren, wir haben alle das Ziel der guten pflegerischen Versorgung im Auge.“

An den niedersächsischen Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi, der als Gastredner gekommen war, richtete die wiedergewählte bpa-Landesvorsitzende Hasch die Forderung, sich im Rahmen der derzeit tagenden Bund-Länder-AG zur Zukunft der Pflegeversicherung auch konkret für eine Absicherung der pflegerischen Versorgung stark zu machen. „Wir müssen bald eine noch höhere Zahl pflegebedürftiger Menschen angemessen versorgen. Dafür brauchen wir mehr Personal. Die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung hat dabei nicht geholfen. Sie schließt die Menschen aus, die sich in der Vergangenheit bewusst für die Arbeit in der Altenpflege entschieden haben.“

Dr. Andreas Philippi (Niedersächsischer Gesundheitsminister) hielt die Gastrede. Auch Dr. Philippi selbst sieht Anpassungsbedarf bei der Generalistik.

Auch Dr. Philippi selbst sieht Anpassungsbedarf bei der Generalistik: „Mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung wurden drei Berufsgruppen in einen Beruf zusammengefasst. Die Vorteile sind hier, dass die Auszubildenden ein breites Wissen für alle Sektoren erhalten und flexibel im Gesundheitssektor unterwegs sein können. Mit Blick auf den steigenden Personalbedarf ist es mir daher besonders wichtig, die Ausbildungskapazitäten bestmöglich zu nutzen und wo möglich auszuweiten. Auf Basis der Vorgaben im Pflegeberufegesetz sind jedoch die Einsatzmöglichkeiten bei Pflichteinsätzen begrenzt und auch nicht jede Einrichtung, die gern ausbilden würde, kann dies auch tun. Vor allem in ländlichen Bereichen fehlt es oft an wohnortnahen Ausbildungsmöglichkeiten. Ich habe und werde mich auch zukünftig auf Bundes- und Landesebene dafür einsetzen, dass die Durchführung der Ausbildung auf weitere geeignete Einrichtungen ausgeweitet wird. Aufgrund zu weniger Ausbildungszahlen in der Alten- und Kinderpflege muss das System der Generalistik möglicherweise aber überdacht und angepasst werden.“

Ricarda Hasch (alte und neue bpa-Landesvorsitzende in Niedersachsen) lobte die enge Zusammenarbeit aller Pflegeverbände im Land.

Die bpa-Landesvorsitzende Hasch forderte aber auch eine Stärkung der wirtschaftlichen Situation der Pflegeeinrichtungen. „Wenn wir monatelang über Kostensteigerungen verhandeln oder auf Zahlungen der Sozialhilfeträger warten müssen, dann bringt das die bestehenden Einrichtungen in Gefahr. Vor allem aber können wir nicht die zusätzlichen Angebote schaffen, die die alternde Gesellschaft in Niedersachsen in den nächsten Jahren dringend braucht. Niedersachsens Bürgerinnen und Bürger müssen sich auf sichere pflegerische Versorgung verlassen können.“

bpa-Hauptgeschäftsführer Norbert Grote ging in seinem Redebeitrag auf die pflegepolitischen Handlungsfelder aus Sicht des bpa ein. „Wir brauchen keine ideologischen politischen Grabenkämpfe, sondern maximalen Pragmatismus, eine Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft und weg mit den vielen planwirtschaftlichen Instrumenten und der enormen Regulatorik, die Einrichtungen und ihren Mitarbeitenden die Luft zum Atmen raubt!“ Er forderte eine Stärkung der Eigenverantwortung und hier vor allem des Unternehmertums in Deutschland – das sichere Wohlstand und den Sozialstaat! „Und last but not least weniger Selbstzufriedenheit unserer politischen Entscheidungsträger und mehr wohltemperierte Panik – nur dies erzeugt den notwendigen politischen Handlungsdruck, um endlich das Ruder in Deutschland umzureißen und die Zukunft erfolgreich zu gestalten!“

Die Lösung heiße Vertrauen: in Verhandlungen (z.B. durch unkomplizierte Refinanzierung von Kostensteigerungen); in Pflegekräfte und internationale Ausbildungen (durch Kompetenzvermutung und unkomplizierte Zugänge); in die Betreiber (durch weniger (Doppel-)Prüfungen und mehr Freiheiten beim Personaleinsatz). Die Pflege – also alle Pflegekräfte und alle Betreiberinnen und Betreiber pflegerischer Angebote – brauche keine jahrelangen Diskussionen mehr. „Die Pflege braucht schnelle und maximal pragmatische Lösungen – und endlich das ihr zustehende Vertrauen“, so Grote.

Der Koalitionsvertrag könne nicht überzeugen. „Er enthält zwar ambitionierte Vorhaben zur Entbürokratisierung und Digitalisierung, aber es gibt viele Leerstellen: Weder zur Absicherung der Wirtschaftlichkeit der Pflegeeinrichtungen noch zur stagnierenden Ausbildung oder zur Sicherung des Personalbedarfs enthält der Koalitionsvertrag Aussagen.“ Grotes Fazit: „Für die wegbrechenden Versorgungsstrukturen und die Sorgen der Pflegebedürftigen, die keine Unterstützung mehr zu finden, hat die Bundesregierung bisher keine überzeugenden Ideen, um gegensteuern zu können.“

Damit Pflegebedürftige wieder Versorgung finden, sind nach Überzeugung des bpa-Hauptgeschäftsführers folgende Maßnahmen notwendig:

  • Wirtschaftliche Absicherung der Pflegeeinrichtungen
  • Überdenken der Ausbildung in der Pflege – Abschaffung der Altenpflegeausbildung hat Wachstum ausgebremst!
  • Kompetenzvermutung bei ausländischen Pflegefachkräften mit Sprachkenntnis
  • Niedrigschwellige Zugänge zum Pflegeberuf schaffen – einjährige Assistenzausbildung
  • Vertrauen statt Bürokratie und Anreize für Innovationen und Investitionen
  • Förderung der Digitalisierung in der Ausbildung und in den Pflegeeinrichtungen zur Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung
  • Leistungsabsicherung für die Pflegebedürftigen
  • Regulierung und damit Eindämmung der Leiharbeit
Vorstandswahl

Ein Highlight der diesjährigen Mitgliederversammlung war die Vorstandswahl. Der amtierende Vorstand wurde komplett wiedergewählt. Neu dabei ist Theresa Kahlich, die eine Pflegeeinrichtung betreibt. Der Familienbetrieb wird mit viel Engagement und Herzblut von Mutter Anke Kahlich und Tochter Theresa Kahlich gemeinsam gestaltet und geleitet und bietet Platz für 36 ausschließlich demenzkranke Bewohnerinnen und Bewohner. Die Entlastung des amtierenden Vorstands übernahm Johannes Baur, Geschäftsführer der Hahne Holding aus Garbsen.