News der bpa.Landesgruppe Nordrhein-Westfalen

Soziotherapie: Ein neuer Weg in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen

bpa-Landesgruppe NRW schließt Versorgungsvertrag mit Primärkassen – neue Chancen für Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Pflege

Nach mehreren Wochen in der Klinik kehrte die alleinstehende Frau M., 42 Jahre, in ihre Wohnung zurück. Die Depression hatte sie fest im Griff. Arzttermine, Therapieempfehlungen, Anträge – all das überforderte sie. „Ich wollte einfach nicht mehr raus“, erzählt sie rückblickend. Erst durch die Unterstützung einer Soziotherapeutin gelang ihr der Weg zurück in den Alltag: „Sie hat mir geholfen, kleine Schritte zu gehen – und die Verantwortung für mein Leben wieder selbst zu übernehmen.“ Fälle, wie dieser, zeigen, wie wertvoll Soziotherapie sein kann. Sie richtet sich an Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die ohne strukturierte Unterstützung ärztliche oder psychotherapeutische Behandlungen nicht eigenständig wahrnehmen könnten.

Soziotherapeuten begleiten Klienten dabei, medizinische und psychosoziale Hilfen zu verstehen und zu nutzen. Sie motivieren zur Behandlung, unterstützen bei der Alltagsbewältigung und fördern soziale Kompetenzen. Im Fokus steht die Aktivierung der Eigenverantwortung. Soziotherapie soll Betroffene befähigen, ihr Leben zunehmend selbstständig zu gestalten – und damit Rückfälle und Klinikaufenthalte vermeiden. Soziotherapie ist eine Brücke zwischen medizinischer Behandlung und sozialer Teilhabe und sie unterstützt dabei, bestehende Versorgungslücken zu schließen.

bpa NRW erzielt Durchbruch: Vertrag mit Primärkassen abgeschlossen

Nach intensiven und langwierigen Verhandlungen ist es der bpa-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen gelungen, mit den Primärkassen einen Versorgungsvertrag zur Soziotherapie abzuschließen. Das ist ein wichtiger Erfolg für unsere Mitgliedseinrichtungen und für die Versorgung psychisch erkrankter Menschen in NRW. Mit dem neuen Vertrag werden verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen, damit qualifizierte Anbieter Soziotherapie anbieten und abrechnen können. Der Vertrag legt nicht nur Qualitätsstandards und auskömmliche Vergütungsregelungen fest, sondern ermöglicht auch, dass Soziotherapie künftig stärker in die Regelversorgung integriert wird. Damit eröffnet sich für viele Anbieter ein neues, zukunftsorientiertes Tätigkeitsfeld.

Ergänzung und Chance für Eingliederungshilfe und Pflege

Für Anbieter der Eingliederungshilfe und Pflege kann die Soziotherapie ein attraktives Zusatzangebot sein – insbesondere für Anbieter, die bereits mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen arbeiten.

Anbieter erleben in der täglichen Arbeit zu oft, wie Klienten an den bürokratischen und organisatorischen Hürden der Versorgung scheitern. Soziotherapie schafft die Möglichkeit, die Klienten gezielter zu begleiten und Rückfälle zu vermeiden.

Die Leistung kann flexibel in bestehende Angebote integriert werden – ob im ambulant betreuten Wohnen, in sozialpsychiatrischen Diensten oder in Pflegediensten, die mit psychisch erkrankten Menschen arbeiten. Sie stärkt  die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten, Pflege- und Sozialfachkräften und trägt zu einer ganzheitlichen Versorgung bei.

Teilhabe stärken – Versorgung weiterentwickeln

Mit dem neuen Vertrag in NRW ist ein wichtiger Schritt getan, um Soziotherapie als festen Bestandteil der psychosozialen Versorgung zu etablieren. Sie verbindet medizinische Behandlung, soziale Unterstützung und Empowerment – ein Ansatz, der genau zu den Anforderungen moderner Versorgung passt. Für viele bpa-Mitglieder in NRW bietet sich damit die Chance, ihr Angebot zu erweitern und neue Klientengruppen zu erreichen. Oder, wie Frau M. heute sagt:

„Ich weiß jetzt, dass ich Hilfe annehmen darf – und dass das nichts mit Schwäche zu tun hat.“

Fazit: Mit dem Soziotherapievertrag in NRW setzt der bpa ein deutliches Zeichen für Innovation, Kooperation und eine Versorgung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Soziotherapie ist mehr als eine neue Leistung – sie ist ein weiterer Schritt hin zu einer wirklich vernetzten, personenzentrierten Unterstützung psychisch erkrankter Menschen.