News der bpa.Landesgruppe Schleswig-Holstein

Podiumsdiskussion der SPD

Experten, Ehrenamtliche und Politiker beleuchten wachsende Pflegebedarfe

Podium (von links): Birte Pauls, Nicole Knudsen, Lars Tosch, Francesca Caci Jahn
Podium (von links): Birte Pauls, Nicole Knudsen, Lars Tosch, Francesca Caci Jahn

Die Sicherstellung einer verlässlichen, würdevollen und wohnortnahen Pflege stellt eine der drängendsten Herausforderungen der kommenden Jahre dar, insbesondere im ländlichen Raum. Dies betonte Kevin Kostros, SPD-Fraktionsgeschäftsführer, angesichts der großen Resonanz auf die Podiumsdiskussion der SPD-Kreistagsfraktion Ostholstein und des SPD-Ortsvereins Fehmarn, die im Juli im Gasthof Meetz (Insel Fehmarn) stattfand.

Unter dem Titel „Pflege braucht Zukunft – auch bei uns in Ostholstein" waren Fachleute, ehrenamtlich Engagierte sowie politisch Verantwortliche zusammengekommen, um gemeinsam über Perspektiven der Pflege zu sprechen. Als Referenten traten Birte Pauls, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Nicole Knudsen von der Interessenvertretung pflegender Angehöriger "wir pflegen Schleswig-Holstein e.V.", Lars Tosch vom bpa sowie Francesca Caci Jahn vom Seniorenbeirat Fehmarn auf. Moderiert wurde die Diskussion vom Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion Thomas Garken.

Herausforderungen und die Rolle der Kommunen

Im Verlauf des Abends wurde deutlich, dass die bestehenden Strukturen den wachsenden Anforderungen der Pflege zunehmend hinterherlaufen. Vielerorts fehle es an Pflegekräften, bezahlbarem Wohnraum mit Pflegemöglichkeiten, ausreichender Unterstützung für pflegende Angehörige sowie an präventiven Angeboten vor Ort. Auch berichtete ein Vertreter der SPD aus Lensahn über die kurzfristige Schließung einer Wohlfahrtseinrichtung im Kreis, die aufgrund verschleppter Instandhaltungsmaßnahmen erfolgte und 80 Pflegebedürftige kreisweit umziehen mussten.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass sich die großen Herausforderungen in der Pflege nicht durch Einzelmaßnahmen von Kommunen oder Anbietern allein bewältigen lassen. Es brauche ein gemeinsames Verständnis und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure. In diesem Zusammenhang sei die auf Kreisebene initiierte Pflegekonferenz ein wichtiger und notwendiger Schritt.

Zuwanderung als Lösung?

Die konkrete Frage, ob Zuwanderung das Personalproblem in der Pflege lösen werde, konnte bpa-Landesbeauftragter Lars Tosch klar mit „ja“ beantworten, musste dies aber im Hinblick auf die langen Anerkennungsverfahren einschränken. In der Anerkennung internationaler Fachkräfte müssten alle beteiligten Behörden schneller werden. Die Einführung der von bpa und vdek vorgeschlagenen Kompetenzvermutung könnte von heute auf morgen rund 11.000 internationale Kräfte sofort als Fachkräfte in die Versorgung bringen. Kompetenzvermutung bedeutet: Wer eine dreijährige Ausbildung oder ein Studium sowie die notwendigen Sprachkenntnisse vorweisen kann, darf sofort als Fachkraft tätig werden. Etwaige Prüfungen und Anpassungen müssen im Nachgang erfolgen.

Die neuen Refinanzierungsmöglichkeiten für stationäre Pflegeeinrichtungen in Schleswig-Holstein böten nun einen ersten Schritt in die richtige Richtung, das allein genüge jedoch nicht. Die Anerkennungsverfahren dauern im Norden im Vergleich zu anderen Bundeländern deutlich zu lange. Zudem fehle vielerorts bezahlbarer Wohnraum für diese neuen Pflegekräfte – ein Thema, das die Kommunalpolitik unmittelbar angehen könne.

bpa kritisiert kommunale Verantwortlichkeiten

Im Rahmen der Diskussion wurden zentrale Handlungsfelder deutlich. So wurde zwar die wichtige Rolle der Kommunen beim Aufbau pflegefreundlicher Infrastrukturen hervorgehoben und die Notwendigkeit eines verbindlichen Pflegebedarfsplans sowie das Potenzial von Quartiersansätzen für eine dezentrale, wohnortnahe Versorgung festgestellt. Auch die Idee einer präventiv und beratend tätigen „Gemeindeschwester 2.0“ wurde diskutiert.

Lars Tosch äußerte jedoch eine kritische Position hinsichtlich der kommunalen Verantwortung.

Die Kommunen könnten und sollten eine koordinierende und unterstützende Funktion einnehmen, dürften aber nicht mit Aufgaben überfordert werden oder alleinige Entscheidungskompetenz erlangen. In diesem Zusammenhang kam das Wort „Mangelverwaltung“ nicht zuerst aus seinem Mund.

Bereits bestehende Strukturen, wie z.B. die Pflegestützpunkte sollten auf die Wirksamkeit ihrer Angebote überprüft werden und ebenso gelte es zu vermeiden, dass durch die Schaffung dieser kommunalen Ideen weitere Pflege(fach)- kräfte dem Markt entzogen würden.

„Was wir brauchen, sind ganz praktische Lösungen“, betonte Thomas Garken. „Die Menschen wollen nicht warten, bis etwas auf Landes- oder Bundesebene beschlossen wird – sie brauchen jetzt Unterstützung.“ Die Diskussion zeigte, dass auf lokaler Ebene großer Handlungsdruck besteht.