Pflegedebatte im Ersten: In der Diskussion der Ausstrahlung von „Hart aber fair“ am 03.11.2025, an der auch bpa-Präsident Bernd Meurer teilnahm, standen persönliche Erfahrungen mit Demenz, der Umgang mit Erkrankten und Angehörigen sowie strukturelle Fragen der Pflege im Mittelpunkt. Aufhänger war eine aktuelle Dokumentation von Dr. Eckart von Hirschhausen zum Thema Demenz.
Neben Betroffenen und Angehörigen waren auch Politiker, Pflegekräfte und Experten zu Gast. Geladen waren neben Bernd Meurer, Karl-Josef Laumann (Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, CDU), Andrea Sawatzki (Schauspielerin und eh. pflegende Angehörige), Stella Merendino (Bundestagsabgeordnete Die Linke und Krankenpflegerin), Eckart von Hirschhausen (Arzt und Wissenschaftsjournalist) und Demenz-Betroffener Rainer Heydenreich.
Wir sind keine Investoren – und wir sind notwendig
Auf eine pauschale Diskreditierung der LINKEN-Abgeordneten Stella Merendino, die Privaten „kassieren nur ab“, stellte Meurer vor allem eines klar, und stellte sich damit auch vor alle privaten Anbieter in der sozialen Pflege: "Ich bin kein Investor. Wir versuchen, im Rahmen unserer politisch gegebenen Möglichkeiten immer wieder das Beste für die Bewohner zu tun. Das machen wir gemeinsam mit unserem enorm engagierten Personal das dann teilweise auch überfordert ist."
Die Überforderung des Pflegepersonals spielte generell eine große Rolle in der Diskussionsrunde. Zum Umgang mit dem Thema Demenz antwortete Meurer, dass gute Einrichtungen auf kleine Wohngruppen setzen, auf geschultes Personal, vor allem in Validation, und eine strukturierte Umgebung, um Sicherheit zu geben. All das gäbe es zwar, jedoch betonte er auch hier gelte: Diese Qualität hängt von genügend Fachkräften und zeitlicher Entlastung ab: "Die Konzepte und das Know-How sind richtig gut, aber man muss so ein Konzept auch leben und füllen mit Inhalt – und dafür brauchen wir Fachkräfte. Und wenn die Mitarbeitenden nicht da sind, dann kollabieren auch die Konzepte."
Die Diskussion war immer wieder geprägt von emotionalen Momenten, insbesondere durch die persönlichen Erfahrungen der Diskussionsteilnehmenden. Dabei zeigte Bernd Meurer viel Empathie, und machte auch auf unbequeme Realitäten aufmerksam, die die Notwendigkeit der privaten Pflege unterstrich: Natürlich sei es schöner, wenn Menschen zu Hause versorgt werden könnten und nicht einen Umzug in einem Pflegeheim vornehmen müssten. „Ist doch toll. Die Frage ist nur, ob wir in der Lage sind, Menschen dann wirklich qualifiziert zu versorgen. Jetzt mal Klartext: Wenn wir uns in den Pflegeheimen schon schwer tun, einen Menschen 24 Stunden zu versorgen – wie wollen wir das denn zu Hause überhaupt schaffen? Da brauchen Sie mehr als drei Mitarbeiter.“
Um die Pflege-Infrastruktur der Zukunft zu bauen, braucht es zudem privates Engagement. Meurer verwies in der Sendung auf die zunehmend schwierige Lage der öffentlichen Haushalte, notwendige Investitionen in die pflegerische Infrastruktur – das RWI rechnet mit 125 Milliarden in den nächsten 15 Jahren – die sind von der öffentlichen Hand nicht zu stemmen, sondern brauchen private Unternehmerinnen und Unternehmer.
Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege
Ein groß diskutierter Punkt war auch die Attraktivität des Pflegeberufs. Zum Image-Problem bei der Pflege äußerte Meurer klar, dass es zunächst mehr Personal brauche für bessere Arbeitsbedingungen – nur so funktioniere es und nicht umgekehrt: "Die bessere Arbeitsbedingung für Pflegekräfte ist das Mehr an Kollegen. Damit die Dienstpläne gesichert sind."
Natürlich gab es in der Sendung auch emotionale Zuspitzungen und Pauschalurteile. Sie erzeugen Schlagzeilen – aber keine neue Fachkraft und keine bessere Versorgung.
Also bleiben wir dran – gemeinsam, konstruktiv und mutig.
Die ganze Sendung können Sie hier in der ARD-Mediathek anschauen.
