Der alljährliche Frühlingsempfang des bpa brachte auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden und Pflegebranche zusammen. Knapp 280 Gäste folgten der Einladung in die Bundesgeschäftsstelle nach Berlin, um sich in feierlicher Atmosphäre auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Dabei zeigte sich einmal mehr: Die Büroräume der Bundesgeschäftsstelle können mehr als Arbeitsalltag. Für einen Abend verwandelten sie sich in offene Begegnungsräume – mit einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen politischem Dialog und lebendiger „WG-Party“ lag: ungezwungen, nahbar und geprägt vom direkten Austausch.
Eröffnet wurde der Abend von bpa-Präsident Bernd Meurer, der in seiner Rede einen klaren Appell an Politik und Gesellschaft richtete. Angesichts der aktuellen Herausforderungen sei jetzt nicht die Zeit für Detailstreitigkeiten, sondern für gemeinsames Handeln:
„Es ist meines Erachtens nicht die Zeit, wo man untereinander über einzelne Positionen streiten sollte. Es ist die Zeit, wo wir insgesamt gemeinsam anpacken müssen.“
Zugleich forderte er mehr Ehrlichkeit im politischen Diskurs:
„Die Menschen sagen: Ihr müsst mal Klartext reden. […] Die Bürger warten drauf und die halten jede Menge aus.“
Mit Blick auf die Pflege machte Meurer deutlich, wo die zentralen Probleme liegen: Fachkräftemangel, demografischer Wandel, schleppende Anerkennungsverfahren für internationale Kräfte und eine überbordende Bürokratie. Besonders kritisch sieht er die Dauer von Anerkennungsprozessen:
„Wenn ich 8, 9, 12 Monate brauche, bis eine Fachkraft anerkannt ist, dann drehen sich die Leute um und gehen woanders hin.“ Weiter fügte Meurer hinzu: „Wir können nicht erwarten, dass Fachkräfte aus dem Ausland zu uns kommen, wenn wir weder bei der Bezahlung noch bei der Willkommenskultur überzeugen.“
Auch zur ausufernden Bürokratie fand Meurer klare und eindringliche Worte:
„Wenn ich eine Entbürokratisierungskommission mit 60 Bürokraten besetze, klingt das erstmal lustig – aber es ist ernst. [...] Die Bürokratie ist nicht in der Lage, diesen Koloss von Bürokratie zu verändern. Und das ist sehr bedrohlich.“
Sein Fazit: Ohne mutige Entscheidungen, schnellere Verfahren und spürbare Entlastungen drohen Versorgungsengpässe und ein weiterer Rückgang von Investitionen in die Pflegeinfrastruktur.
Im Anschluss folgten Grußworte von Rainer Brüderle, Präsident des bpa-Arbeitgeberverbandes sowie vom Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt.
Brüderle sprach sich für deutlich mehr Reformtempo und wirtschaftliche Handlungsspielräume aus. Gerade in der Pflege gehe es nicht nur um ökonomische Fragen, sondern um eine moralische Verantwortung gegenüber den Menschen. Er kritisierte strukturelle Defizite, langwierige Verwaltungsprozesse und ausbleibende Veränderungen trotz steigender Belastungen. Sein Appell: Weniger politische Ankündigungen, mehr konkretes Handeln.
Blatt zog Parallelen zwischen guten Vorsätzen und der seit Jahren angekündigten, aber ausbleibenden Pflegereform. Sein Appell: Die Reform dürfe nicht länger aufgeschoben werden. Neben einer nachhaltigen Finanzierung brauche es vor allem strukturelle Veränderungen. Steigende Eigenanteile und Beitragssätze seien auf Dauer nicht tragfähig, gleichzeitig müssten Bund und Länder stärker Verantwortung übernehmen.
Zugleich betonte Oliver Blatt die Belastung der Einrichtungen und Beschäftigten durch Fachkräftemangel und Bürokratie. Hier seien spürbare Entlastungen notwendig – insbesondere durch echte Digitalisierung, die Prozesse vereinfacht, statt sie nur ins Digitale zu verlagern. Sein Fazit: Eine zukunftsfeste Pflege erfordert jetzt entschlossenes Handeln, mehr Tempo bei Reformen und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure.
Der Dialog endete nicht mit den Grußworten: Viele Gespräche wurden noch lange nach den Reden fortgesetzt und bei ausgelassener Stimmung, kleinen Köstlichkeiten und kühlen Getränken wurde bis spät in die Nacht in der Geschäftsstelle an der Friedrichstraße gefeiert und in den Frühling getanzt.
Wir freuen uns jetzt schon auf den nächsten Frühlingsempfang 2027!








