Viele bürokratische Anforderungen – sei es durch Dokumentationspflichten, Antragsverfahren oder die Erfassung von Leistungsnachweisen – kennzeichnen den Alltag ambulanter Pflegedienste. Um diesen Problemen zu begegnen, startete vor einem Jahr das Projekt „Bürokratieabbau in der ambulanten Pflege“ im Landkreis Berchtesgadener Land. Das Projekt konnte am 1. Juli mit einer Veranstaltung in Ainring sein Bergfest mit Vertretern aus Politik, Staatsministerium und allen Projektbeteiligten feiern. Der bpa wurde als Projektträger vom Landesvorsitzenden Kai A. Kasri und mehreren hauptamtlichen Mitarbeitern vertreten.
Zu Beginn der Veranstaltung führte Georg Wetzelsperger als Mitverantwortlicher des Projektes in die Thematik ein, dem ein kurzes Grußwort der stellvertretenden Landrätin Iris Edenhofer folgte, die von eigenen Erfahrungen mit der Pflege ihrer Mutter berichtete. Der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Prävention im Bayerischen Landtag, Bernhard Seidenath, der das Projekt angestoßen hatte, würdigte anschließend das Projekt als bayernweites Modellvorhaben, das auf einem sehr guten Weg sei. Christian Müller vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention ergänzte, dass die gewonnenen Erkenntnisse nach Projektabschluss auf ganz Bayern übertragen werden sollen. Beide unterstrichen die Notwendigkeit, Vertrauen in die Kompetenz der Pflegefachkräfte zu stärken und unnötige Dokumentationspflichten abzubauen.
Die drei Projektkoordinatoren Irmgard Auer, Ursula Sorré und Robert Übelherr stellten den Zwischenstand des Projekts, das unter dem Motto „Einfach machen!“ steht, den Teilnehmern anhand der von Veronika Pfanzelt erstellten Übersichten vor. Die in den drei Arbeitskreisen „Pflegende Angehörige“, „Verordnungsmanagement“ und „Digitalisierung und Entlassmanagement“ identifizierten Problemstellungen und dort jeweils erarbeiteten Lösungsansätze wurden detailliert erörtert. Für die zweite Projektphase ist vorgesehen, den gesamten Versorgungsprozess anhand konkreter Patientenfälle in einer Pilotumgebung praktisch zu testen und zu optimieren.
Stephanie Ludinsky von der bpa-Landesgeschäftsstelle Bayern stellte in einem Impulsvortrag anhand des Beispiels einer Schlaganfallpatientin die zukünftigen Möglichkeiten der Telematikinfrastruktur vor. Die Vision besteht darin, dass medizinische Informationen künftig den Patienten über alle Versorgungsbereiche hinweg begleiten und allen berechtigten Akteuren zeitnah zur Verfügung stehen. Dadurch sollen Medienbrüche, Doppelarbeit und Informationsverluste reduziert werden.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die ambulante Pflege derzeit noch nicht ausreichend in die digitale Infrastruktur eingebunden ist. Die Teilnehmenden sprachen sich für eine stärkere Berücksichtigung der Pflege bei zukünftigen Ausbaustufen der Telematikinfrastruktur aus.
