Wie kann es gelingen, mit dem Einsatz von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz die pflegerische Versorgung zu stärken? Um dies zu beleuchten, bot der 11. Hessische bpa-Fachkongress Pflege am 26. September 2025 in Bad Homburg Workshops zu den Themen KI-Einsatz in der Pflegedokumentation, die aktuellen Umsetzungsentwicklungen im Bereich der Telematik-Infrastruktur sowie zum Thema Cyberkriminalität. Es sollte gezeigt werden, dass die Technik den Menschen dienen soll, um bürokratische Prozesse abzubauen und Zeit für den zwischenmenschlichen Kontakt zu gewinnen.
Der am Vortag wiedergewählte Vorsitzende der Landesgruppe Hessen Ralf Geisel betonte vor rund 200 Teilnehmenden, darunter auch vielen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Behörden und der Selbstverwaltung, die Notwendigkeit, die Digitalisierung als Teil der Lösung eines der drängendsten Probleme unserer Zeit zu sehen. Pflegeeinrichtungen in Hessen würden derzeit ihr Angebot weiter reduzieren, weil mit einer abnehmenden Zahl an Pflegekräften eine zunehmende Zahl an Pflegebedürftigen versorgt werden müsse. Es gehe nicht vordringlich darum, mit der Digitalisierung die Attraktivität des Pflegeberufs aufzuwerten – wobei dies ein willkommener Nebeneffekt sein könnte – sondern schlichtweg um die Sicherstellung der Versorgung. Die Zeit für umständliche Dokumentationsprozesse und langwierige Kommunikation mit Arztpraxen fehle in der Versorgung der Menschen. Somit werde Digitalisierung eine gesellschaftliche Aufgabe, deren Umsetzung auch angemessen refinanziert werden müsse.

Mitgliederversammlung – Podium (von links): Matthias Trümner, Stefan Hißnauer, Anna Tinbergen, Robert Jansen, Sabine Söngen, Manfred Mauer, Ralf Geisel, Marion Gnidtke, Christof Schaefers, Eva-Maria Müller, Markus Ahne, Viktoria Scherer sowie am Pult: Dirk Mohr
In den politischen Grußworten von Dr. Daniela Sommer, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags und pflegepolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, sowie Wiebke Knell, der Vorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion Hesen, wurde die Wertschätzung für die gesamtgesellschaftliche Leistung der hessischen Pflegeeinrichtungen unter schwierigen transformativen Rahmen bedingungen deutlich herausgestrichen. Sie sagten die Unterstützung der Landespolitik bei der Bewältigung dieser Aufgabe zu.
Landesvorstand neu gewählt Mitgliederversammlung im Kurhaus Bad Homburg Im Rahmen der Mitgliederversammlung der bpa-Landesgruppe Hessen am 25. September 2025 standen turnusgemäß die Wahlen zu einem neuen Landesvorstand an. Sowohl der Landesvorsitzende Ralf Geisel als auch sein Stellvertreter Dirk Mohr wurden überzeugend wiedergewählt. Auch die sieben weiteren Vorstandsmitglieder traten erneut an und erhielten ein deutliches Mandat der hessischen bpa-Mitglieder für die nächsten beiden Jahre. Namentlich sind dies: Marion Gnidtke, Robert Jansen, Eva-Maria Müller, Christof Schaefers, Viktoria Scherer, Anna Tinbergen sowie Matthias Trümner. Nach den Rechenschaftsberichten der Landesvorsitzenden Ralf Geisel für den ambulanten und Dirk Mohr für den stationären Bereich, in welchen die Arbeitsschwerpunkte der Landesgruppe im letzten Jahr skizziert wurden und den Neuwahlen folgte der Bericht von Sven Wolfgram, bpa-Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter ambulante Versorgung über aktuelle pflegepolitische Entwicklungen auf Bundesebene. Die Attraktivität des Pflegeberufs nehme zu, dennoch bleibe die Personalsicherung angesichts des demografischen Wandels eine zentrale Herausforderung. Die Pflegestatistik zeige ein starkes Ungleichgewicht: Während die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich steige, stagniere die Personalentwicklung und die Ausbildungszahlen hielten nicht Schritt. Neue Gesetzesinitiativen wie das Pflegekompetenzgesetz, das Pflegeassistenzeinführungsgesetz und das BEEP-Gesetz sollen Entlastung und Strukturverbesserungen bringen. Der bpa bewertet die konkrete Umsetzung im Gesetzestext jedoch kritisch, da sie zusätzliche Bürokratie schaffen und keine nachhaltige Finanzierung oder echte Entlastung der Einrichtungen bieten. Unter der Leitung von Christoph Schaefers fand zeitgleich die Fachgruppensitzung der Eingliederungshilfe statt. Hier wurden die steigenden Kosten, der hohe Verwaltungsaufwand und der Fachkräftemangel thematisiert. Der bpa fordert Bürokratieabbau, bessere Refinanzierung und strukturelle Reformen. Im Dialog mit dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen geht es um effizientere Leistungssteuerung und die Abschaffung der Spitzabrechnung. Die parallele Fachgruppensitzung der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen beschäftigte sich unter Leitung des bpa-Landesbeauftragen Stefan Hißnauer mit der Bewertung des Abschlusses der tariflichen Fortschreibung. Gemeinsam schloss der Tag ab mit einem kulinarisch wie kulturell anspruchsvollen Programm. Eine „Spanische Nacht“ entführte die Teilnehmenden auf die iberische Halbinsel und verwöhnte mit regionalen Spezialitäten und musikalischer und tänzerischer Untermalung. |
Im Anschluss verdeutlichte Prof. Dr. Daniel Buhr, Leiter des Steinbeis-Transferzentrums Soziale und Technische Innovation in seinem Vortrag sehr anschaulich, welchen Beitrag Künstliche Intelligenz und Digitalisierung leisten können. Dazu hat er die Megatrends der Zukunft vorgestellt und herausgearbeitet, dass nicht nur Pflegekräfte und Angehörige in hohem Maße entlastet werden könnten, sondern auch die Qualität der Pflege insgesamt durch unterstützende Systeme erhöht werden könne. In seiner Kernaussage wurde das Motto des Fachkongresses deutlich unterstrichen. Die Transformation der Gesellschaft und der pflegerischen Versorgung durch KI und Digitalisierung werde zweifelsohne kommen. Daher gelte es für die Branche, den Wandel aktiv mitzugestalten, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.

Blick ins Publikum: bpa-Fachkongress Pflege im Kurhaus Bad Homburg
In zwei praxisnahen Workshoprunden wurden schließlich konkrete Lösungen wie die KI-unterstütze Pflegedokumentation oder der aktuelle Stand und die Einsatzmöglichkeiten der Telematikinfrastruktur vorgestellt, aber auch vor neuen Gefahren durch Cyberkriminalität gewarnt. Im abschließenden Plenumstalk fassten Ralf Geisel und Prof. Buhr den Tag zusammen und stellten sich den Fragen des Auditoriums.






