Zum Auftakt der Mitgliederversammlung am 15. Januar 2026 in Dresden informierte der bpa-Landesvorstand vor ca. 140 Mitgliedern über die Schwerpunkte der Aktivitäten des bpa im vergangenen Jahr und gab einen Ausblick auf 2026. Pascal Tschörtner, bpa-Geschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereichs stationäre Versorgung, berichtete über die gesetzlichen Neuregelungen in der ambulanten und stationären Pflege auf Bundesebene, konkret das Pflegefachassistenzeinführungsgesetz, das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sowie die Eckpunkte der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur avisierten Pflegereform 2026.
Dabei kritisierte Tschörtner insbesondere die mit dem BEEP erfolgte Einführung eines dritten Versorgungssektors. Die neuen gemeinschaftlichen Wohnformen führten zu einem Bürokratieaufwuchs, brächten zusätzliche Abgrenzungsschwierigkeiten und gefährdeten bestehende WG-Strukturen. Insgesamt, so Tschörtner, seien trotz der beschlossenen und geplanten Neuregelungen die Herausforderungen für die Pflege unverändert groß. Nach wie vor fehle es an konkreten Maßnahmen zur Stabilisierung der in wirtschaftliche Schieflage geratenen Pflegeeinrichtungen.
Längst habe der Personalmangel in der Pflege zu einem Angebotsmangel geführt, infolgedessen viele Pflegeeinrichtungen bereits ihre Versorgungskapazitäten hätten reduzieren müssen, weil das Personal fehle und Refinanzierungen unklar seien. Zur wirtschaftlichen Absicherung und Unterstützung der Pflegeeinrichtungen bedürfe es daher unter anderem klarer Finanzierungsentscheidungen, planbarer Vergütungswege nebst verbindlicher Verfahrensfristen und der Flexibilisierung von Personalvorgaben.

Teilnehmer des Unternehmer(halb)tages im Hotel Elbflorenz in Dresden
Humor trägt zur Stärkung der Resilienz bei
Der sich anschließende 15. Sächsische Unternehmer(halb)tag Pflege stand unter dem Motto „Gute Arbeitsbedingungen = Gesunde Mitarbeiter“. Dass in diesem Zusammenhang Humor eine wertvolle Ressource darstellt, die in Therapie und Pflege zunehmend an Bedeutung gewinnt, betonten Gerhard Neumcke und Nele Klauke (Leipziger Gesundheitsclowns) in ihrem kurzweiligen Eingangsvortrag „Humor als Kraftquelle in der Pflege und Betreuung“. Als praktizierende Gesundheitsclowns schilderten sie, wie und wie sehr Humor zur Stärkung der Resilienz des Pflegepersonals in Pflegeheimen beiträgt, und wie stark er die Lebensqualität sowie die Atmosphäre von Einrichtungen und damit die Lebensqualität ihrer Mitarbeiter und Bewohner positiv beeinflusst.
Schaffung guter Arbeitsbedingungen immer wichtiger
Die immer wichtiger werdende Schaffung guter Arbeitsbedingungen und der Umgang mit psychischen Belastungen waren danach Gegenstand der Ausführungen von Bianca Maus (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)). Sie betonte, dass gute Arbeitsbedingungen der Schlüssel zu gesunden Mitarbeitenden – besonders in psychisch anspruchsvollen Zeiten – seien. In ihrem Vortrag ging sie auf Führungsverantwortung, Gefährdungsbeurteilung und bewährte Unterstützungsangebote der BGW ein und gab praxisnahe Impulse zur Schaffung diesbezüglicher Handlungssicherheit auf Managementebene.
Hieran knüpfte der stellvertretende bpa-Landesvorsitzende Frank Zwinscher mit der Vorstellung des Projekts der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung „Gute Arbeitsbedingungen in der Pflege zur Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf (GAP) inhaltlich nahtlos an. Eindringlich wies er auf die Notwendigkeit hin, die Mitarbeitergesundheit als Basiswert in den Einrichtungen zu etablieren und stellte ausführlich den Projektablauf mit seiner differenzierten Bedarfsanalyse sowie die bestehenden Fördermöglichkeiten dar. Als geschulter GAP-Coach konnte er aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Priorisierung der Menschen und Organisationsentwicklung durch die Pflegeunternehmer im Ergebnis zu besseren Arbeitsbedingungen, einer geringeren Krankheitsquote, höherer Pflegequalität, mehr Bewerbern und letztlich zur Stärkung der Arbeitgebermarke führen.
Abgerundet wurde das Programm von Falk Eidner (psychologischer Psychotherapeut), der zum Thema „Belastungen bewältigen – mit Achtsamkeit und Akzeptanz“ referierte. Statt gegen Unveränderbares anzukämpfen, was viel Energie koste und letztlich nicht zum Ziel führe, warb Eidner unter anderem in einer eigens komponierten Gesangseinlage darum, vielmehr eine Haltung der Achtsamkeit zu entwickeln. Mit dieser könnten Belastungen besser bewältigt und das Leben aktiv und positiv gestaltet werden. Zugleich gehe es darum, den inneren Abstand zu schwierigen Gedanken und Gefühlen zu stärken, um sich nicht von ihnen überwältigen zu lassen. Das ermögliche es, bewusster zu handeln – orientiert an den eigenen Werten und dem, was wirklich zählt.
Fachlicher Austausch beim Neujahrsempfang
Beim traditionellen Neujahrsempfang, der erstmals auf der Terrassenebene im Internationalen Congress Center Dresden stattfand, tauschten sich die bpa-Mitglieder abends mit den Gästen aus Landes- und Kommunalpolitik, Verbänden sowie Kooperations- und Vertragspartner fachlich miteinander aus und stießen auf das neue Jahr an; unter ihnen die Mitglieder des Landtages Jessica Steiner (CDU, pflegepolitische Sprecherin), Simone Lang (SPD, pflegepolitische Sprecherin), Susanne Schaper (Fraktionsvorsitzende Die Linke, pflegepolitische Sprecherin, Ronny Kupke (BSW-Landesvorsitzender, Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Doreen Schwietzer (AfD).

Igor Ratzenberger, bpa-Landesvorsitzender, dankt Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
In seiner Begrüßung umriss der bpa-Landesvorsitzende Igor Ratzenberger nochmals die pflegepolitischen Herausforderungen für 2026 und formulierte den klaren Anspruch an die Politik, die Pflege endlich in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu stellen. Auf die vielen Papiere müssten nun endlich Taten folgen, die privaten Pflegeunternehmer mit ihrer Expertise stünden hierzu bereit.
bpa als unverzichtbarer Partner für die Daseinsvorsorge gewürdigt
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD), die auch Mitglied der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ ist, würdigte den bpa in ihrem Grußwort als unverzichtbaren Partner für die Daseinsvorsorge und dankte ihm für den Einsatz für eine zukunftsfähige Pflege. Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit würden der bpa und seine Mitgliedseinrichtungen zeigen, wie wichtig Innovation, Unterstützung und eine kritische, aber lösungsorientierte Zusammenarbeit seien. Danach skizzierte sie kurz die Eckpunkte der Pflegereform 2026, deren Ziel es sei, Unterstützung für die häusliche Pflege zu schaffen, Bürokratie abzubauen, Prävention zu stärken und Innovationen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz voranzubringen.
Köpping verhehlte nicht, dass sie sich inhaltlich mehr von den Ergebnissen der Arbeitsgemeinschaft erhofft hatte, und versprach, sich im weiteren Diskussionsprozess für eine Reform einzusetzen, die die Pflege in Sachsen nachhaltig stärke und finanziell absichere. Sie forderte den bpa auf, gemeinsam mit dem Staatsministerium weiterhin konstruktiv zusammen zu arbeiten, um die soziale Infrastruktur zu stützen und zu stabilisieren.
