Sozialministerin Aminata Touré und Iris Kröner, Landesdirektorin der AOK Nordwest, haben auf dem Jahresempfang der bpa-Landesgruppe am 29. April den Förderbescheid über rund 1,2 Millionen Euro für das Projekt „ZAPF@ DigitAl – Zentrale Anlaufstelle Pflege zur Digitalisierung und Alltagsgestaltung“ an Mathias Steinbuck, bpa-Landesvorsitzender, und Michael Saitner als Sprecher des Forum Pflegegesellschaft e. V. überreicht. Das Projekt wird vom bpa für das Forum Pflegegesellschaft durchgeführt.
Mit dem geförderten Projekt entsteht eine neue Anlaufstelle, die Pflegeeinrichtungen, Fachkräfte und pflegende Angehörige dabei unterstützen soll, digitale Lösungen alltagsnah zu nutzen und in die Versorgung zu integrieren. Ziel ist es, Digitalisierung nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern sie unmittelbar erlebbar zu machen und damit die Versorgungsqualität zu verbessern sowie Pflegende zu entlasten.
Sozialministerin Aminata Touré hob die Bedeutung des Projektes für die Weiterentwicklung der Pflege im Land hervor. Digitalisierung und eine moderne Alltagsgestaltung in der eigenen Häuslichkeit der Pflegebedürftigen seien zentrale Bausteine, um Pflege zukunftsfest aufzustellen und die Selbstbestimmung Pflegebedürftiger zu stärken.
„Für die professionelle Pflege gibt es schon sehr viele Anwendungen, die das Potenzial haben, die Pflege zu entlasten. Mit dem Projekt wollen wir dazu beitragen, dass dieser Wandel in den Pflegediensten schneller voranschreitet und Pflegebedürftige und Angehörige zu digitalen Anwendungen in der Häuslichkeit, deren Förderung und der Nutzung beraten werden können“,
so die Ministerin.
Touré betonte, wie wichtig es sei, Fachkräfte und Pflegehaushalte mitzunehmen, damit digitale Anwendungen tatsächlich in der Praxis ankommen. Gleichzeitig fand sie deutliche Worte zur Bundespolitik: Die geplanten Rücknahmen pauschaler Leistungsverbesserungen seien problematisch und würden die Eigenanteile der Pflegebedürftigen erhöhen. Umso erfreulicher sei es, dass die Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein reibungslos funktioniere und man gemeinsam an Lösungen arbeite. Auch Iris Kröner von der AOK Nordwest hob hervor, dass ZAPF@DigitAl ein wichtiges Testfeld für neue digitale Pflegeanwendungen sein könne, sobald diese bundesweit anerkannt werden.
Für die bpa-Landesgruppe steht nun vor allem die schnelle Umsetzung im Vordergrund. Mathias Steinbuck und Michael Saitner machten deutlich, dass das Projekt den Einrichtungen praktische Unterstützung bieten und helfen soll, Ressourcen effizienter zu nutzen und neue Handlungsspielräume zu schaffen. Das Modellvorhaben läuft bis Ende 2028. Das Land stellt für Modellprojekte im Rahmen des § 123 SGB XI insgesamt vier Millionen Euro als Co-Finanzierung bereit. Ergänzt durch Mittel aus dem Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung stehen damit insgesamt acht Millionen Euro für innovative Pflegeprojekte in Schleswig-Holstein bis Ende 2028 zur Verfügung.
Der Jahresempfang des bpa bot den passenden Rahmen für diesen Aufbruch. In den frisch eingeweihten, modernen Räumlichkeiten der bpa-Landesgeschäftsstelle in Kiel kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Pflege und Verbänden zusammen, um sich auszutauschen, zu vernetzen und die neuen Impulse zu diskutieren.
Auch kritische Worte an der aktuellen Politik fanden in diesem Rahmen Platz. So brachte der bpa-Landesvorsitzende Mathias Steinbuck gemeinsam mit bpa-Geschäftsstellenleiter Kay Oldörp seine bestehenden Einwände gegen den Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes zum Ausdruck und zeigte die möglichen Folgen für die ambulante Pflege auf.
Ein Schnellzeichner und ein gemeinsames Quiz sorgten für Unterhaltung. Die Atmosphäre war geprägt von Aufbruchsstimmung, vielen Gesprächen und der gemeinsamen Überzeugung, dass Digitalisierung in der Pflege kein fernes Zukunftsthema ist, sondern jetzt gestaltet werden muss. So wurde der Abend nicht nur zur offiziellen Vorstellung eines wichtigen Projekts, sondern auch zu einem lebendigen Zeichen dafür, wie engagiert Schleswig-Holstein die Zukunft der Pflege angeht.



