Bei unserer bpa-Veranstaltung auf dem Deutschen Pflegetag 2025 diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis über die Frage, wie unter schwierigen Rahmenbedingungen neue Pflegeangebote entstehen können. Die zentrale Botschaft der Session lautete: Weniger Bürokratie, mehr Vertrauen.
bpa-Hauptgeschäftsführer Norbert Grote konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen – seinen Impuls übernahm Martin von Berswordt-Wallrabe, Leiter Public Affairs beim bpa. Gemeinsam mit Katrin Staffler MdB (Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung), Christian Gharieb (CEO Korian Deutschland), Sonja Driebold (Diakonie Hessen, Abteilungsleitung Gesundheit, Alter, Pflege) und Hendrik Bollmann MdB (Ausschuss für Bauen, Wohnen und Kommunen) diskutierte er über konkrete Impulse und politische Rahmenbedingungen.
Christian Gharieb betonte, dass die Bereitschaft zum Ausbau neuer Versorgungsstrukturen vorhanden sei, die Hürden jedoch hoch: Ein Pflegeplatz kostet in der Erstellung rund 230.000 Euro, eine Investition, die langfristig abgesichert sein müsse. Sonja Driebold wies auf ein Paradoxon hin: Trotz steigender Nachfrage können viele Menschen die Leistungen nicht mehr bezahlen, da Gehaltssteigerungen in den vergangenen Jahren die Kosten für Pflege stark erhöht haben. Das führe zu Verzögerungen bei der Inanspruchnahme professioneller Versorgung und zu höheren Folgekosten.
Die Diskussion identifizierte drei zentrale politische Forderungen:
Mehr Flexibilität
Vertrauen in Träger und Profession
Verlässliche Finanzierung
Ein weiterer Schwerpunkt war die Integration internationaler Fachkräfte: Anerkennungsverfahren dauern aktuell immer noch bis zu 500 Tage. Einigkeit bestand darüber, dass starre Sektorengrenzen zwischen ambulanter, teilstationärer und stationärer Pflege überwunden werden müssen. Als Modell wurde ein integriertes Konzept vorgestellt, das geriatrische Reha, Notfallversorgung, Demenzbereiche und Wohnen unter einem Dach vereint.
Kommunen stehen vor zusätzlichen Herausforderungen: Finanzielle Belastungen und fehlende Planungsressourcen erschweren die Umsetzung neuer Versorgungsstrukturen. Hier seien Bund und Länder gefordert, die Kommunen gezielt zu unterstützen.
Fazit: Die Pflegebranche will keine großflächigen Staatshilfen wie sie etwa in der Industrie immer wieder gefordert werden – sie fordert Vertrauen, Pragmatismus und weniger Bürokratie, um dringend benötigte Versorgungsstrukturen aufzubauen. Politische Reformen wie das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) oder geplante Initiativen wie das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sind bei weitem nicht entschieden genug, um die Herausforderungen der Zukunft zu gestalten.









